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Zebra Technologies Aktie Analyse

NASDAQ: ZBRA // Analyse vom 09.10.2022

Von Jan Fuhrmann und Christian Lämmle

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Zebra Aktie kaufen? | Aktienanalyse | WKN: 882578 | ISIN: US9892071054 | Ticker: ZBRA (Nasdaq)

Wenn du im Supermarkt deinen Wocheneinkauf machst, dann sind die Barcodes, die sich auf jedem Produkt befinden, eine Alltagssache für dich. Doch wer stellt diese Barcodes eigentlich her? Und wie funktioniert der Prozess dahinter? Solche für uns alltägliche Dinge sind einst revolutionäre Technologien gewesen, die uns heute jeden Tag einfacher machen. Wir stellen dir hier ein Unternehmen vor, dass bei der Entwicklung dieser Barcodes und allem was dazugehört maßgebend beigetragen hat.

Barcodes sind gestreift wie Zebras. Deswegen heißt das Unternehmen, welches u. a. die Scanner für diese Barcodes herstellt auch Zebra Technologies. Wenn du jetzt denkst, dass das ein relativ langweiliges Geschäftsmodell ist, könntest du nicht mehr daneben liegen. Zebra ist heute ein hochmodernes Technologieunternehmen, welches durch zahlreiche strategische Übernahmen und Erfindungen weitere Technologien wie RFID-Scanner oder -Software zur Überwachung von Logistikprozessen im Portfolio hat. Ein sehr spannender Konzern – auch wir konnten bei unserer Recherche vieles dazulernen.

Der Podcast zu unserer Aktienanalyse

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KapitelTimestamp
Einleitung, Historie, Aktionärsstruktur, Werte und Nachhaltigkeit 00:00:00
Geschäftsmodell, Burggraben und Geschäftsführung00:09:41
Fundamentale Kennzahlen00:30:13
Branche & Konkurrenz00:43:16
Chancen, Risiken, Bewertung, Technische Analyse1:04:15

Kurzportrait

Zebra Technologies beschäftigt sich mit der Erfassung und Verarbeitung von Daten – der Währung der Zukunft. Auf diese Weise verfolgt das Unternehmen das Ziel, eine intelligente Geschäftswelt mit vielen Vernetzungen zu erschaffen und bedient sich auch modernster Technologien wie der künstlichen Intelligenz. Mithilfe vieler Akquisitionen und eigener Erfindungen wuchs Zebra Technologies innerhalb von rund 50 Jahren zu einem Milliardenkonzern heran. 

Ein simples Beispiel für die Datenverfassung sind Barcodes (passend zu Zebra). Die ersten Drucker und Scanner dieser Codes entwickelte das Unternehmen vor vielen Jahrzehnten selbst.

Charttechnisch ist die Aktie seit vielen Jahren in einem Aufwärtstrend und korrigiert aktuell überdurchschnittlich. Nun testet die Aktie die wichtigste Unterstützungszone.

Die Analyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 08.10.2022. 

WKN/ ISIN882578/US9892071054
BrancheInformationstechnologie
Peter Lynch EinordnungAverage Grower
Fundamentales WLA-Rating?/10
Technisches WLA-Rating?/10
Porters Burggraben-Rating?/25
Marktkapitalisierung14,52 Mrd. USD
Dividendenrendite0,00 %
KGV27,79
FirmensitzLincolnshire (USA)
Gründungsjahr1969
Mitarbeiter9.800
WKN/ ISIN882578/US9892071054
BrancheInformationstechnologie
Peter Lynch EinordnungAverage Grower
Fundamentales WLA-Rating8/10
Technisches WLA-Rating8/10
Porters Burggraben-Rating15/25
Marktkapitalisierung14,52 Mrd. USD
Dividendenrendite0,00 %
KGV27,79
FirmensitzLincolnshire (USA)
Gründungsjahr1969
Mitarbeiter9.800

Inhaltsverzeichnis

1. Das Unternehmen

Historie

Gründung

Zebra Technologies wurde 1969 von Ed Kaplan und Gerhard Cless unter den Namen „Data Specialties Incorporated” gegründet und war zu Beginn ein Hersteller von elektromechanischen Produkten. Diese Geräte nutzen ein elektrisches Signal, um eine mechanische Bewegung in Gang zu setzen oder genau entgegengesetzt (mechanische Bewegung nutzen, um elektrisches Signal zu erzeugen). Mit dem heutigen Geschäftsmodell hat dies allerdings nichts zu tun.

In 1982 stellte die Firma mit „Zebra” den ersten Barcode-Drucker vor, nachdem drei Jahre zuvor auch der erste Laser-Barcode-Scanner präsentiert wurde. Hinzu kamen zudem Etikettier- und Ticketingsysteme, welche das Sortiment ergänzten. Der Schwerpunkt des Unternehmens verlagerte sich dementsprechend und basierend auf dem Erfolg dieser neuen Strategie erfolgte 1986 die Umbenennung des Unternehmens in die heutige Zebra Technologies.

Nach der Neuausrichtung dauerte es schließlich nur noch fünf Jahre bis zum Börsengang.

Expansion

Im Laufe der Jahre war Zebra Technologies ständig in der Lage, neue Erfindungen zu präsentieren und das eigene Sortiment somit zu erweitern. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Wachstumsstrategie sind allerdings die ständigen Akquisitionen gewesen (auch heute noch). 1988 erhielt das Unternehmen für die eigenen Leistungen den „High Technology Entrepreneur Award” von Peat Marwick Main & Co. Dies scheint auf den ersten Blick nicht bedeutend zu sein, aber das genannte Unternehmen ging in der heutigen „Big 4“-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG auf, welche auch heute noch bekannt für solche Auszeichnungen ist.

In den 1990er-Jahren expandierte Zebra Technologies nach Tschechien und baute dort die ganze Branche erst neu auf. In den nächsten Jahrzehnten zeigte sich dieser Schritt als lohnenswert, sodass der Standort weiter erschlossen und ausgebaut wurde.

Ein weiterer wichtiger Schritt für die Erfolgsstory war die Fusion mit dem Konkurrenten Elton International im Jahr 1998.

Akquisitionen

Während des gesamten Wachstumsprozesses spielten außerdem Akquisitionen für Zebra Technologies eine wichtige Rolle. Die größte Übernahme fand 2014 statt, als Zebra die Enterprise Division von Motorola Solutions für knapp 3,50 Mrd. USD bekannt gab. Ein riskanter Schritt, wenn man bedenkt, dass das den damaligen Gesamtumsatz von Zebra Technologies überstieg. Mit dem Kauf integrierte der Konzern weitere Technologien und Dienstleistungen zur Datenerfassung in das eigene Unternehmen und erhielt darüber hinaus weitere Produktlinien.

Seit 2019 führte das Unternehmen insgesamt acht Akquisitionen durch, wobei die aufgekauften Firmen v. a. in den Bereichen künstlicher Intelligenz und Bildverarbeitung (maschinell, digital) aktiv sind.

Ziel, Werte und Nachhaltigkeit

Ziel und Umsetzung

Das Ziel von Zebra Technologies ist das Schaffen intelligenter Organisationen, indem man bessere Daten und Einblicke verwendet. Insgesamt soll auf diese Weise die gesamte Geschäftswelt besser und innovativer miteinander vernetzt werden. Daraus folgt die eigene Mission auf der niedrigsten Ebene: Den einzelnen Kunden davon überzeugen, dass die Produkte von Zebra Technologies ebendies bewirken und einen Mehrwert für das einzelne Unternehmen bringen.

Werte

Bei der Umsetzung des Ziels hält sich der Konzern an vier Werte, die das alltägliche Geschäft begleiten:

  1. Integrität: Immer das Richtige tun, Mut und Respekt haben und ethische Standards berücksichtigen.
  2. Teamarbeit: Teamerfolg steht im Vordergrund und jeder leistet einen einzigartigen Beitrag.
  3. Agilität: Zebra Technologies hält sich für flink, proaktiv und anpassungsfähig. Zudem geht das Unternehmen zugunsten von Chancen auch gerne Risiken ein und übernimmt für jede Entscheidung die Verantwortung.
  4. Innovation: Kreativität ist wichtig, um neue Ideen zu fördern. Der Status quo wird immer in Frage gestellt.

Nachhaltigkeit

In Bezug auf die Nachhaltigkeit richtet sich Zebra Technologies nach den ESG-Kriterien und vermittelt die entsprechenden Ziele:

Der Schutz der Umwelt ist für das Unternehmen laut eigener Aussage besonders wichtig. Selbstverständlich hält man sich an alle Gesetze, aber achtet darüber hinaus auch auf eine effektive Ressourcennutzung und die Reduzierung von Abfällen, sowohl im eigenen Betrieb als auch in der gesamten Lieferkette. Alle Risiken (und auch Chancen) verbunden mit der Umwelt hat der Konzern im Blick und diese werden aktiv gemanagt.

In Bezug auf die soziale Ebene wiederholt das Technologieunternehmen den Wert der Teamarbeit und stellt auch das Engagement in der Gesellschaft, primär in den Bereichen Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik, vor.

Der letzte Aspekt der ESG-Kriterien bezieht sich auf die Unternehmensführung, bei welcher das Unternehmen stets auf die festgelegten Richtlinien achtet. Auffällig ist hier, dass das Unternehmen sich in der Pflicht gegenüber den Aktionären sieht, welche schließlich die Eigentümer sind. Die genannten Richtlinien sollen sicherstellen, dass das Unternehmen auf eine verantwortungsvolle und wertorientierte Weise geführt wird.

Aktionärsstruktur

Die Aktionärsstruktur von Zebra Technologies ist unspektakulär, denn der einzige Großaktionär mit einem Anteil von mehr als 5 % ist Vanguard (bekannt als ETF-Emittent), welche mit 11, % einen beachtlichen Anteil am Gesamtunternehmen halten. Weitere kleinere Investmentfirmen wie AllianceBernstein (4,44 %), Scotia Capital Management (4,25 %), SSgA Funds Management (4,04 %) und Greenville Capital Management (4,04 %) sind jeweils mit über 4 % beteiligt. Insgesamt kommen die größten fünf Anteilseigner somit auf über ein Viertel der gesamten Stimmrechte.

Geschäftsmodell

Einleitung

Bereits Anfang der 1930er-Jahre wurde in den USA an einer frühen Form des Barcodes gearbeitet, Einzug in den Einzelhandel fand dieser jedoch erst einige Jahrzehnte später: Am 26. Juni 1974 scannte eine Kassiererin in einem Supermarkt im US-Bundesstaat Ohio den Barcode auf einer Packung Kaugummis und wickelte so den Kaufprozess ab. Schon wenige Jahre später hatten die kleinen, schwarzen Rechtecke und Balken, mit denen sich Produkte individuell identifizieren lassen, Einzug in beinahe jeden Zweig der Logistikkette gefunden.

Zebra Technologies erkannte frühzeitig die Chance dieses damals noch revolutionären Verfahrens und konzentrierte sich vollends darauf. Das Unternehmen wurde innerhalb kurzer Zeit zum größten Anbieter von Barcode-Druckern und -Scannern und später auch zum weltweiten Marktführer von RFID-Geräten (engl. radio-frequency identification) und mobilen Computern zur Datenerfassung.

Im Laufe der letzten Jahre hat sich Zebra Technologies durch zahlreiche strategische Übernahmen und der Integration von Googles Android Betriebssystem in die eigene Hardware entscheidend weiterentwickelt. So stellt das Unternehmen heute nicht nur die erforderlichen Produkte für reibungslose Abläufe in der Logistik her, sondern bietet auch Cloud- und KI-basierte Software zur Überwachung, Steuerung und Optimierung der zuletzt zunehmend fragilen globalen Lieferketten an.

Geschäftsmodell und Kundenbranchen im Überblick

Trotz der Ausweitung des eigenen Angebots auf Softwarelösungen bleibt das Kerngeschäft von Zebra Technologies der Verkauf von Hardware-Produkten, die in den letzten Jahren konstant über 80 % der erwirtschafteten Umsätze des Unternehmens ausmachten. Etwa 10 % der weiteren Umsätze entfallen auf angebotene Servicedienstleistungen sowie den Verkauf von Software und Zubehör.

Zebra Technologies ist geographisch gut diversifiziert: Etwa 50 % der Umsätze werden in den heimischen Märkten in Nordamerika erzielt, weitere 50 % in Europa, Asien, Südamerika und Afrika. Möglich macht dies u. a. ein globales Netzwerk an Standorten mit über 9.800 Mitarbeitern in 55 Ländern. Nach eigenen Angaben gehören 94 der 100 weltgrößten Unternehmen zu den Kunden von Zebra Technologies, insgesamt liegt die Kundenzahl laut Schätzungen bei über 10.000.

Nicht nur geographisch, sondern auch im Bezug auf unterschiedliche Branchen ist Zebra Technologies breit aufgestellt. Die unten stehende Grafik zeigt die wichtigsten Wirtschaftszweige, in denen Produkte und Services des Unternehmens eingesetzt werden.

Akquisitionen

Ein wesentlicher Teil des durch das erfolgreiche Kerngeschäft erwirtschafteten Kapitals wurde von Zebra Technologies in den letzten Jahren für Unternehmensübernahmen genutzt – überwiegend um damit, die eigene Produktpalette um Softwarelösungen zu erweitern. Ein kurzer Überblick über einige der wichtigsten Akquisitionen:

Im Jahr 2014 wurde für die Gesamtsumme von 3,45 Mrd. USD die Enterprise Sparte des US-amerikanischen Telekommunikationsanbieter Motorola Solutions übernommen. Für Zebra Technologies war dies der entscheidende Schritt bei der Entwicklung tragbarer Computersysteme zur Datenerfassung in der Logistik.

Im Jahr 2020 erfolgte die Übernahme von Reflexis Systems. Reflexis ist einer der führenden Anbieter für Echtzeit-Lösungen im Bereich der Betriebs- und Personalverwaltung, deren Arbeitsplattform Zebra Technologies mit großem Erfolg in die eigene Hardware integrieren konnte.

Zuletzt wurde im Juni 2022 für 875 Mio. USD Matrox Imaging übernommen, ein Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Hard- und Softwarekomponenten für die industrielle Bildverarbeitung und Überwachung spezialisiert hat. Produkte von Matrox Imaging erfassen mithilfe von künstlicher Intelligenz und visueller Erfassung bspw. die genaue Position oder Qualität von Produkten und erkennen so Fehler in der Logistikkette bereits im Vorfeld. Damit treibt Zebra Technologies die Automatisierung der eigenen Fertigungs- und Überwachungsprozesse weiter voran.

Operatives Geschäft und Produkte

Zebra Technologies unterteilt das operative Geschäft in zwei Segmente: Der Bereich Asset Intelligence & Tracking (AIT) beinhaltet die Produktkategorien Barcode-Drucker, Software und Zubehör. Unter der Kategorie Enterprise Visibility & Mobility (EVM) werden die mobilen Computer, Datenerfassungsgeräte, RFID-Systeme, Scanner und Lösungen zur Arbeitsoptimierung geführt.

Barcode-Drucker

Zebra Technologies produziert und verkauft sowohl große industrielle Drucker als auch kleinere, mobile Geräte. Entsprechend weit auseinander liegt die Preisspanne der unterschiedlichen Modelle: Beginnend von einfachen Druckern für wenige 100 USD bis hin zu High-End-Geräten zum Preis von weit über 10.000 USD. Die gedruckten Barcodes, Etiketten und Tickets finden Anwendung in den unterschiedlichsten Branchen und Bereichen. So können bspw. Blutproben mit Barcodes gekennzeichnet werden, um die erhobenen Daten und Informationen über Patienten kompakt und anonymisiert abzuspeichern.

Gedruckte Barcodes und Etiketten sind seit vielen Jahrzehnten elementarer Bestandteil des Warenhandels, in allen Bereichen des Transports von Gütern und der Logistikbranche. Zebra Technologies ist mit großem Abstand Marktführer für Barcode-Drucker – ohne diese Geräte des Unternehmens könnten globale Lieferketten in ihrer heutigen Form nicht bestehen.

Mobile Computer

Die seit einigen Jahren nach Umsatz wichtigste Produktkategorie für Zebra Technologies sind mobile Endgeräte bzw. Computer. Dabei handelt es sich jedoch nicht um klassische Smartphones für den Endverbraucher, sondern um speziell an die Anforderungen in der Industrie und Unternehmen angepasste, robuste und widerstandsfähige Geräte (engl. rugged devices). In diesem stark wachsenden Markt ist Zebra Technologies mit über 50 % Marktanteil unangefochtener Marktführer. 

Im letzten Jahrzehnt hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass zuverlässige mobile Geräte für verschiedenste Bereiche in der Logistikbranche und Industrie ein entscheidender Erfolgsfaktor sind – nach aktuellen Studien von VDC Research kostet jeder Ausfall eines mobilen Endgerätes in der Logistik 70 Minuten Produktivität. Zeit, die bei den angespannten globalen Lieferketten nicht zur Verfügung steht.

Gegenüber Smartphones oder Tablets für den Endverbraucher lassen sich mobile Computer für die Industrie wie folgt abgrenzen:

  • Robuste Schutzhüllen ermöglichen den Einsatz in harschen Umgebungen
  • Deutlich erhöhte Sicherheitsstandards
  • Längere Akkulaufzeiten und eine Software, die speziell auf den Einsatz in einer Arbeitsumgebung ausgelegt ist.

Zebra Technologies setzt bei den eigenen Produkten bereits seit vielen Jahren auf Android als Betriebssystem und konnte sich so im Laufe der Jahre einen technologischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz erarbeiten.

Barcode-Scanner und RFID-Lesegeräte

Neben Barcode-Druckern entwickelt und produziert Zebra Technologies auch die entsprechenden Barcode-Scanner zum Auslesen der Informationen. Das Unternehmen bietet viele verschiedene Scanner für unterschiedliche Bereiche an, es wird ein großer Wert auf Funktionalität gelegt. So können z. B. in der Regel auch schmutzige oder beschädigte Barcodes noch ausgelesen werden.

Die Produktpalette reicht von stationären Scannern bis hin zu solchen im Taschenformat, extrem robusten Scannern für den Einsatz in der Industrie oder Geräten speziell für den Einsatz im Gesundheitswesen.

Zudem ist Zebra Technologies ein führender Anbieter von RFID-Lesegeräten (engl. radio-frequency identification). Dabei handelt es sich um Sender-Empfänger-Systeme bestehend aus einem Transponder und einem Lesegerät, die die meisten von uns wahrscheinlich in Form von Diebstahlsicherungen in Bekleidungsgeschäften kennen.

RFID-Geräte haben allerdings noch viele weitere Anwendungsgebiete bspw. bei der Verwaltung von Beständen, Waren oder Arzneimitteln. Überall da, wo sich geschäftskritische Objekte befinden, werden RFID-Geräte zur Erfassung und Dokumentation eingesetzt.

Burggraben 

Einleitung

Zebra Technologies hat in der Vergangenheit viele innovative Produkte entwickelt, wie wir im einleitenden Kapitel dieser Analyse beschrieben haben. Im Laufe der Jahre ist es des Weiteren gelungen, außerhalb des Heimatmarktes zu expandieren und Beziehungen zu Abnehmern und  Geschäftspartnern auf der ganzen Welt aufzubauen. Dieses globale Netzwerk ermöglicht Zebra Technologies, seine Kunden mit den angebotenen Produkten und Dienstleistungen, unabhängig von deren Standort, schnell beliefern zu können. Das Management von Zebra Technologies nimmt außerdem an, über eine hohe Markenbekanntheit sowie einen Ruf als vertrauenswürdiger Geschäftspartner mit hochwertigen und langlebigen Geräten zu verfügen.

In folgenden Teilbereichen des Marktes für Enterprise Asset Intelligence-Lösungen (EAI) kann das Unternehmen derzeit die Position des Marktführers für sich beanspruchen:

  • Enterprise Mobile Computing (vgl. Abbildung 6)
  • Barcode-Scanning
  • Specialty Printing (Drucker für Rechnungen und Eintrittskarten)
  • RFID-Systeme

Weiterhin wurde Zebra Technologies in 2022 zum dritten Jahr in Folge vom Marktforschungsunternehmen Gartner als „Leader“ für Technologien im Bereich Indoor Location Services ausgezeichnet. Damit sind Systeme für die Ortung von Personen oder Objekten gemeint, welche bspw. in Flughäfen, Parkhäusern oder unterirdischen Einrichtung zur Anwendung kommen. Diese Auszeichnung unterstreicht die Qualität der Produkte von Zebra Technologies.

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Porters Five Forces

Nachstehend die Branchenstrukturanalyse nach Michael E. Porter. Diese dient der Einordnung von externen Kräften, welche auf die Unternehmen einer Branche einwirken. Unsere Skala reicht hierbei von 0 bis 5. Je besser Zebra Technologies aufgestellt ist, desto höher ist die Punktzahl, welche wir vergeben.

Externe Kraft Stärke Begründung
Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern
3/5
Wie zuvor beschrieben, besitzt Zebra Technologies in mehreren Teilbereichen des EAI-Marktes eine führende Position. Darüber hinaus verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben über die größte Produktbasis unter den bestehenden Konkurrenten. Unserer Auffassung nach rechtfertigen diese Faktoren 3 von 5 Punkte für die Rivalität unter bestehenden Mitbewerbern.
Bedrohung durch neue Wettbewerber
4/5
Die bestehenden Hersteller von EAI-Technologien zeichnen sich durch etablierte Produkte, langjährige Kundenbeziehungen sowie globale Partnernetzwerke für die Herstellung und den Vertrieb aus. Für neue Wettbewerber sind diese Merkmale nur schwer zu replizieren, weshalb wir deren Bedrohung als vergleichsweise gering einordnen.
Verhandlungsmacht der Lieferanten
2/5
Während Zebra Technologies die meisten Rohmaterialien von mehreren Lieferanten bezieht, existiert für bestimmte Komponenten nur eine limitierte Anzahl an Zulieferern. Weiterhin wird die Endmontage der Hardware-Produkte an sogenannte Electronics Manufacturing Services Companies (EMS) ausgegliedert, welche hauptsächlich in Asien sitzen. Obwohl Zebra Technologies auch in diesem Zusammenhang nach Diversifizierung strebt, besteht eine Fokussierung auf chinesische EMS, weshalb wir 2 von 5 Punkte insgesamt für angemessen halten.
Verhandlungsmacht der Kunden
2/5
Ein Großteil der Erlöse von Zebra Technologies ist auf eine geringe Anzahl von Kunden zurückzuführen. So waren die drei größten Abnehmer in 2021 für einen Umsatzanteil von sage und schreibe 48,50 % verantwortlich. Für die Verhandlungsmacht von Zebra Technologies spricht hingegen, dass sich die Produkte hinsichtlich der Software und anderer spezifischer Eigenschaften von den Lösungen der Konkurrenten unterscheiden und daher hohe Wechselkosten in Form von Umschulungen bestehen können. Außerdem gelingt es dem Unternehmen schon seit Jahren, die Großabnehmer an sich zu binden. Dennoch stufen wir diese externe Kraft als eher stark ein.
Bedrohung durch Ersatzprodukte
4/5
Die Produkte von Zebra Technologies dienen der Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen vieler Unternehmen aus den unterschiedlichsten Geschäftsbereichen und Regionen. Zum aktuellen Zeitpunkt bestehen hierfür keine geeigneten Ersatzprodukte und darüber hinaus ist die Unternehmenshistorie von Zebra Technologies von zahlreichen Innovationen geprägt, weshalb wir diese externe Kraft als eher unbedrohlich einstufen.

Geschäftsführung

Anders Gustafsson

Zebra Technologies wird schon lange nicht mehr von den Gründern geführt und diese halten auch keine großen Aktienpakete. Seit 2007 ist Anders Gustafsson der CEO des Konzerns und zugleich auch Mitglied des Verwaltungsrats.

Vor dieser Position hat Gustafsson bereits bei einem anderen Unternehmen den Posten als CEO bekleidet. Spirent Communications (aktiv in der Telekommunikationsbranche) richtete er als Geschäftsführer vollständig neu aus, sorgte für Kosteneinsparungen und sammelte bereits hier Erfahrungen mit Übernahmen. Mit Akquisitionen hat Gustafsson auch heute bei Zebra Technologies viel zu tun, weshalb ihm diese Erfahrungen wahrscheinlich weiterhelfen.

In den Jahren 2000 bis 2004 arbeitete Gustafsson für Tellabs (Kommunikationsnetzwerke) und hielt auch hier schon Positionen in der Unternehmensführung inne. Davor leitete er Bereiche bei Motorola (Schwerpunkt mobile Kommunikation) und Network Equipment Technologies (ebenfalls im Bereich von Netzwerken tätig). Insgesamt verfügt Anders Gustafsson also über ein sehr breites Erfahrungsspektrum und Kontakte in der Branche.

2. Fundamentale Ansicht 

Kennzahlen 

Aktienfinder
Aktienfinder

Die Prognosen aus diesem Abschnitt werden vom Aktienfinder zur Verfügung gestellt.

Umsatz

Entwicklung

Bis 2019 profitierte Zebra Technologies von einer stetig steigenden Nachfrage für die Hard- und Softwarelösungen beider Geschäftsbereiche und verzeichnete Wachstumsraten im mittleren einstelligen bzw. niedrigen zweistelligen Bereich. Diese Entwicklung wurde durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie kurzzeitig unterbrochen, da sich die Kunden des Unternehmens in den ersten zwei Quartalen des Geschäftsjahres 2020 insbesondere mit Investitionen in Geräte des AIT-Segments zurückhielten. Allerdings konnte Zebra Technologies bereits in der zweiten Jahreshälfte eine Rückkehr der Nachfrage verbuchen und neue Umsatzrekorde realisieren. Dieses Momentum setzte sich in 2021 fort, sodass mit 26,51 % die höchste organische Steigerung seit vielen Jahren erreicht werden konnte.

Zukünftig ist mit einer Rückkehr der Wachstumsgeschwindigkeit auf das Durchschnittsniveau zu rechnen. Das Management von Zebra Technologies erwartet, dass die Erlöse durch die Implementierung der Wachstumsstrategie, welche wir im Rahmen der Chancen und Risiken kurz thematisieren werden, in den kommenden Geschäftsjahren zwischen 5 % und 7 % pro Jahr ansteigen werden. Die Analysten sind mit einer Prognose i. H. v. 4,57 % bis 2024 etwas pessimistischer.

Umsatzverteilung nach Segmenten

Vor der Übernahme der Enterprise Division von Motorola Solutions erwirtschaftete Zebra Technologies den überwiegenden Anteil der Erlöse innerhalb des Segments Asset Intelligence & Tracking (AIT). Nach der Konzernkonsolidierung hat sich die Relevanz der Segmente allerdings umgekehrt, denn mit einem Umsatzanteil von 70,05 % stellen nun die Lösungen, welche innerhalb der Sparte Enterprise Visibility & Mobility vertrieben werden, den Fokus von Zebra Technologies dar. Ein Großteil des Wachstums der letzten Jahre entstammt ebenfalls diesem Segment.

Umsatzverteilung nach Regionen

Nordamerika stellt auch heute noch in jeglicher Hinsicht das Zentrum des operativen Geschäfts von Zebra Technologies dar. Auf diesem Kontinent erwirtschaftet das Unternehmend derzeit ungefähr die Hälfte der Erlöse. Hiervon entfallen wiederum 98,76 % auf die USA.

In Europa, dem Nahen Osten und Afrika erzielte Zebra Technologies im letzten Geschäftsjahr 19,10 % der Einnahmen. Allerdings werden die Umsätze, welche Deutschland zuzuordnen sind, seit 2019 einzeln ausgewiesen. Im letzten Geschäftsjahr belief sich der Umsatzanteil auf 16,01 %, womit Deutschland in den letzten Jahren der wachstumsstärkste Absatzmarkt des Unternehmens war und nach den Vereinigten Staaten den zweitgrößten nationalen Einzelmarkt für Zebra Technologies darstellt.

Asien und Lateinamerika waren zuletzt für 9,65 % bzw. 5,14 % der Einnahmen von Zebra Technologies verantwortlich. Obwohl das Unternehmen in den letzten Jahren auch in diesen Regionen absolut betrachtet Zuwächse verzeichnen konnte, sind die Umsatzanteile eher rückläufig.

EBIT und Konzerngewinn

Die Übernahme der Enterprise Division von Motorola, welche im Oktober 2014 abgeschlossen wurde, hat bei Zebra Technologies für eine mittelfristige Beeinträchtigung der Profitabilität geführt. Neben Aufwendungen für die Durchführung der Akquisition wurden die Ergebnisse des Unternehmens durch die Abschreibung der übernommenen immateriellen Vermögenswerte sowie höhere Zinskosten belastet.

Nachdem Zebra Technologies in 2015 und 2016 infolgedessen Fehlbeträge ausweisen musste, konnte in 2017 der Break-Even-Punkt wieder knapp überschritten werden. Die betrachteten Kennzahlen entwickelten sich in den letzten fünf Jahren zwar insgesamt sehr positiv, die historischen Wachstumsraten i. H. v. 32,05 % bzw. 164,89 % pro Jahr besitzen aufgrund der niedrigen Ausgangsbasis jedoch keine Aussagekraft.

Während des laufenden Geschäftsjahres haben sich erneut Sondereffekte ergeben, welche die Nettoergebnisse von Zebra Technologies in den kommenden Quartalen beeinflussen werden. Im September letzten Jahres reichte der Konkurrent Honeywell nämlich Patentverletzungsklagen gegen Zebra Technologies ein, welche mehrere Hardware-Produkte betrafen. Im Juni diesen Jahres konnte der Rechtsstreit beigelegt werden und Zebra Technologies verpflichtete sich, Schadensersatzzahlungen i. H. v. 360 Mio. USD innerhalb der nächst acht Quartale zu leisten. Dennoch erwarten die Analysten für 2023 und 2024 neue Rekordgewinne und eine durchschnittliche Wachstumsgeschwindigkeit von 7,05 %. Das EBIT soll sich mit 14,53 % pro Jahr um einiges dynamischer entwickeln.

Margen

Der Bruttogewinn von Zebra Technologies ist in 2014 und 2015 aufgrund der besprochenen Übernahme ebenfalls eingebrochen. Seitdem konnte jedoch eine Erholung verzeichnet werden und in den letzten Jahren belief sich die Bruttomarge stets auf knapp über 40 %.

Auch die operative Marge sowie die Nettogewinnspanne konnten sich von ihren Tiefs absetzen und entwickelten sich im vorliegenden Zeitraum bis auf einen kurzfristigen Rückgang im Zuge der Corona-Pandemie positiv. Das Management von Zebra Technologies führt dies auf Skaleneffekte und den steigenden Anteil von Service- und Softwareumsätzen zurück.

Die Nettomarge wird im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich einen starken Dämpfer erfahren und auf 8,80 % sinken, bevor mit weiteren Anstiegen zu rechnen ist. Die operative Marge soll derweil an die Entwicklung der letzten Jahre anknüpfen können und deutlich zulegen.

Dividendenpolitik und Aktienrückkäufe

Zebra Technologies hat den überwiegenden Anteil der Gewinne, welche in den letzten Jahrzehnten erwirtschaftet wurden, zum einen in die stetige Verbesserung des bestehenden Produkt- und Dienstleistungsportfolios investiert und zum anderen wurden mehrere Unternehmen akquiriert, um das organische Wachstum voranzutreiben. Diese Strategie ließ bisher keinen großen Spielraum für eine stetige Dividendenpolitik zu. Und auch bis 2024 können Aktionäre nach den Erwartungen der Analysten nicht mit Gewinnbeteiligungen rechnen.

Bevor die Übernahme der Enterprise Division von Motorola Solutions abgeschlossen wurde, führte Zebra Technologies allerdings regelmäßig Aktienrückkäufe durch, um Kapital an seine Aktionäre auszuschütten. Während die Anzahl ausstehender Anteile seit dem Börsengang bis 2004 unter Schwankungen angestiegen ist, konnte Zebra Technologies im Anschluss bis 2013 einen Rückgang um ca. 30 % realisieren. Seitdem hat sich das Unternehmen eher auf die Rückführung der Verschuldung fokussiert, weshalb die Aktienanzahl bei knapp über 50 Mio. stagniert.

Historische Kennzahlen

KUV

Aufgrund des konstant hohen Wertzuwachses der Aktie von Zebra Technologies ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis im betrachteten Zeitraum von 1,49 auf 5,61 angestiegen. Seit Beginn des aktuellen Geschäftsjahres wurde allerdings ein Rückgang auf 2,38 verzeichnet, womit das Umsatzmultiple aktuell deutlich unter dem historischen Durchschnitt von 3,37 liegt. Bis 2024 könnte den Analystenschätzungen entsprechend eine weitere Abnahme auf 2,15 erfolgen.

KGV

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Zebra Technologies in 2017 besitzt aufgrund der beschriebenen Verzerrungen des Nettoergebnisses keine Aussagekraft und wird daher bei der Berechnung des historischen Mittelwertes, welcher 31,06 beträgt, nicht berücksichtigt. Während das Multiple bis 2021 ebenfalls fast kontinuierlich angestiegen ist, beläuft sich der aktuelle Wert auf 27,79. Für 2024 lässt sich derweil ein KGVe von 13,45 berechnen.

KOCV

Mit Ausnahme des Geschäftsjahres 2018 ist das Kurs-Cashflow-Verhältnis von Zebra Technologies innerhalb der letzten fünf Jahre analog zu den bisherigen Multiples stetig angestiegen. Das KOCV ist außerdem die einzige der vorliegenden Bewertungskennzahlen, dessen aktueller Wert noch oberhalb des historischen Durchschnitts liegt. Allerdings könnte sich in den nächsten drei Geschäftsjahren eine Abnahme auf 11,45 vollziehen.

Einordnung nach Peter Lynch

Nachdem die Auswirkungen der Corona-Pandemie in 2020 für einen temporären Rückgang der Erlöse und Gewinne geführt haben, war Zebra Technologies im letzten Geschäftsjahr in der Lage, überdurchschnittlich hohe Zuwächse zu verzeichnen und die historischen Steigerungsraten somit in den zweistelligen Bereich zu befördern. Die Analysten prognostizieren derzeit, dass sich die zukünftige Wachstumsgeschwindigkeit im mittleren einstelligen Bereich einpendeln wird, weshalb eine Einordnung als Average Grower angemessen scheint.

Fundamentales Wir Lieben Aktien-Rating

Mit 8 von 10 möglichen Punkten erreicht Zebra Technologies ein sehr solides Ergebnis in unserem fundamentalen Rating für Average Grower. Zum Abzug führen das prognostizierte Umsatzwachstum, welches mit 4,57 % unterhalb unserer Anforderung von 6 % pro Jahr liegt. Des Weiteren wurde im laufenden Geschäftsjahr eine nicht unerhebliche Menge an Fremdkapital aufgenommen, um die Übernahme von Matrox zu finanzieren. Derzeit beläuft sich die Nettoverschuldung von Zebra Technologies auf das 2,83-fache EBITDA, was zwar nicht als kritisch anzusehen ist, jedoch unsere Kriterien verletzt.

3. Konkurrenzvergleich und Branchenanalyse  

Allgemeine Infos über die Branche

Einordnung nach dem GICS

Zur besseren Einordnung definieren wir zuerst die Branche, basierend auf der zentralen Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Wir beziehen uns hierbei auf den Global Industry Classification Standard (kurz GICS), der zunächst den Sektor definiert, welcher sich wiederum in Industriegruppe, Industrie und Subindustrie unterteilen lässt.

Zebra Technologies wird dem Sektor, der Industriegruppe, der Industrie und der Subindustrie, zugeordnet. Daraus ergibt sich der GICS-Code 45203010 für die Subindustrie “Computer-Ausrüstung, Geräte & Bauteile”.

Robotik

Einleitung

Autonome Roboter werden auch in Industrieabläufen immer wichtiger. Neben Kosteneinsparungen bringt diese Technologie auch eine weitaus geringere Fehlerquote mit sich. Die Akquisition von Fetch Robotics im Jahr 2021 stellte für Zebra Technologies den Einstieg in die Industrierobotik dar.

Lagerautomatisierung

In Hinblick auf Zebra Technologies ist vor allem die Lagerautomatisierung eine der wichtigsten Branchen der Robotik. Von einem automatisierten Lager spricht man, wenn der Betrieb durch die Installation von Maschinen und automatisierten Systemen optimiert wurde. Hier werden dann Prozesse in Zusammenhang mit Warenannahme, Lagerung, Auftragsvorbereitung und Versand unterstützt. Gleichzeitig bedarf es neben den Robotern aber auch eine sicher funktionierende Logistiksoftware, die nicht vernachlässigt werden darf. Denn die eingesetzten Maschinen arbeiten mit Computersystemen zur Steuerung und Ausführung der Aufgaben.

Entwicklung der Marktgröße

Für die Lagerautomatisierung sehen wir in Abbildung 19 eine Prognose bis 2026. Es zeigt sich ein durchaus stabiler Trend, der lediglich in 2020 Verluste machte, jedoch bis 2026 das Wachstum deutlich steigern wird. Denn während das durchschnittliche Wachstum von 2012-2020 7,62 % betrug, wird es von 2021-2026 jährlich um 13,70 % ansteigen. Das höchste Wachstum wird 2026 mit über 15 % erwartet, damit wird dann die Marktgröße über 30 Mrd. USD liegen und einen Höchststand erreichen. Auffällig sind die Jahre 2012-2016, in denen die Anstiege nie deutlich über 8 % lagen. Das Ergebnis konnte 2014 sogar nur um 1,18 % gesteigert werden. 

Die drei verschiedenen Stufen der Lagerautomatisierung

Einleitung

Die Lagerautomatisierung wird in drei Stufen eingeteilt, die sich in der Ausführung und Art der Automatisierung in Hinblick auf Warenbewegung und Entscheidungen unterscheiden.

Manuelles Lager

Diese Stufe stellt die geringste Automatisierungsstufe dar. Hier werden alle Arbeitsabläufe vom Menschen verrichtet bspw. mit Gabelstaplern oder anderen Transportgeräten. Lediglich die Mitarbeitersteuerung über ein Lagerverwaltungssystem ist ein automatisierter Prozess. Das System übernimmt die Planung, Optimierung und Steuerung aller manuellen Prozesse und entlastet somit die Mitarbeiter, kann diese jedoch nicht ersetzen.

Teilautomatisiertes Lager

Die zweite und damit mittlere Stufe in das teilautomatisierte Lager. Bei dieser Art werden nur einzelne und nicht alle Arbeitsschritte in einem Betrieb automatisiert. In manchen Situationen macht es mehr Sinn, ein teilautomatisiertes Lager und kein manuelles Lager bzw. vollautomatisiertes Lager einzusetzen. Gerade bei der Kommissionierung, also der Überprüfung von Bestellvorgängen, können Teilautomationssysteme zu einem verbesserten und beschleunigten Vorgang beitragen. Ein Beispiel wären hier Lagerlifte.

Vollautomatisiertes Lager

Beim vollautomatisierten Lager sind nur noch sehr wenig oder in manchen Fällen sogar gar keine menschlichen Arbeitsgänge notwendig. In der Regel bestehen diese Lager aus Regalen und Regalbediengeräten, die bspw. Paletten und Kartons vollautomatisch mit Ware ein- und auslagern. Würde man diesen Begriff ganz genau nehmen, dürfte man hier eigentlich noch nicht von einem vollautomatisierten Lager sprechen, denn bei der Bestellüberprüfung sind immer noch Mitarbeiter für die Zusammenstellung der richtigen Artikelanzahl zuständig. Jedoch müssen diese nicht mehr die Ware holen, sondern die Ware kommt zu ihnen.

Aufgrund der unterschiedlichen Formen und Abmessungen der Artikel war es noch nicht möglich, Lager wirklich zu 100 % zu automatisieren. Aber auch hier sollen bald neue Innovationen folgen, die auch den letzten Arbeitsschritt vollständig automatisieren.

Autonome mobile Roboter (AMR) vs. Fahrerlose Transportsysteme (FTS)

Einleitung

In diesen Branchen werden vor allem autonome mobile Roboter eingesetzt. Bis vor kurzem waren die traditionellen fahrerlosen Transportsysteme (FTS) die einzige Option zur Automation von internen Transportaufgaben. Mit den AMRs kam jedoch eine Alternative auf den Markt, die moderner, flexibler und kostengünstiger ist. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden besteht darin, dass beide Systeme Materialien von einem Ort zum anderen transportieren.

Bordintelligenz

Der erste wesentliche Unterschied besteht in der Bordintelligenz. Während ein FTS für die Navigation von Drähten, Magnetstreifen oder Sensoren geleitet wird (Extrakosten der Installierung), navigiert das AMR mithilfe von Karten, die die Software sogar vor Ort selbst erstellen kann. Gleichzeitig arbeitet das AMR-System völlig autonom und kann so vorausliegende Hindernisse erkennen und dann einen anderen Weg einschlagen.

Einsatzfelder

Durch das völlig autonome System ist ein AMR viel flexibler als ein fahrerloses Transportsystem. Ein FTS ist darauf ausgelegt, eine vorher festgelegte Route zu fahren, die fest eingeplant ist. Hier ist eine Änderung mit neuen Installationen u. ä. verbunden, die sehr teuer sind und in der Vergangenheit auch oft Störungen ausgelöst haben. Bei einem autonomen mobilen Roboter hingegen bedarf es lediglich Softwareanpassungen.

Produktionsumgebungen

Heutzutage ist es von wichtiger Bedeutung, dass Unternehmen die Produkte agil und flexibel umstellen oder Produktionsabläufe verändern. Bei einem FTS ist die Firma in gewisser Weise abhängig von diesem System, da die Umstellung wie gesagt sehr kompliziert ist.

Kostenvorteile

Obwohl ein AMR auf einer moderneren Technik basieren als FTS, sind AMR in der Regel die kostengünstigere Lösung. Denn hier braucht es keine Installation von Magnetstreifen und Sensoren oder sogar Umstellungen an der Gebäudeinfrastruktur. In den meisten Fällen gleichen sich die Kosten bei AMR schon nach weniger als sechs Monaten aus.

Entwicklung der Marktgröße

Wie gerade eben angesprochen, ist der Markt der autonomen mobilen Roboter für Zebra Technologies entscheidend. In Abbildung 21 haben wir dazu eine Marktprognose bis 2028, wie sich dieser Markt entwickeln soll. Man merkt auf den ersten Blick: Dieser Sektor wächst unglaublich schnell. In dem gesamten abgebildeten Zeitraum gab es lediglich ein Jahr, in dem die Marktgröße zurückging, nämlich 2020 mit -12,58 %. Dieser Rückgang ist auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. In den anderen Jahren hingegen gibt es Wachstumsraten von bis zu 28 % (2021-2022), wo die Marktgröße auf über 3 Mrd. USD ansteigen soll. Von 2020 abgesehen, wird das schlechteste Jahr 2028 sein, mit einem erwarteten Anstieg von immer noch über 19 %. Spätestens hier wird deutlich, wie gut der Ausblick aussieht. Vergleicht man die Werte von 2016 mit denen von 2028, steigt der Wert von 1,23 Mrd. USD auf über 10,50 Mrd. USD an, was einem prozentualen Anstieg von knapp 856 % entspricht.

Automatische Datenerfassung

Einleitung

Die automatische Identifikation und Datenerfassung bezieht sich auf die Methode zur Identifizierung von Objekten durch Rechenalgorithmen. Beispiele hier sind Strichcodes, Radiofrequenz-Identifikation, zu der wir gleich noch kommen, Magnetstreifen usw. Bei der Datenerfassung werden die erfassten Daten mit anderen in einer Datenbank gespeicherten Dateien verglichen.

Entwicklung der Marktgröße

Nachfolgend ist in Abbildung 22 die Umsatzentwicklung für die elektronische Datenerfassung von 2014-2025 dargestellt. Unterteilen lässt sich die Grafik in damit verbundene Services und die damit verbundene Software.

Über die Jahre gesehen, steigt der Umsatz stetig an. Kein abgebildetes Jahr hatte niedrigere Umsatzzahlen als noch im Jahr davor. Wichtig ist jedoch zu erwähnen, dass das Jahr 2020 eine Prognose enthält, in der die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht berücksichtigt wurden. Es ist daher denkbar, dass es in diesem Jahr Einbrüche der Umsätze gab, die hier jedoch nicht abgebildet sind. Die Aufteilung in Services und Software ist prozentual gesehen eher unspektakulär, lediglich kleine Veränderungen und Schwankungen sind zu beobachten. 

Auffällig ist, dass vor allem die Software immer wichtiger wurde und somit am Ende 2-3 % mehr Gewichtung am gesamten Umsatz hatte. Jedoch sind auch die Services mit einem jährlichen Wachstum von rund 11,75 % gut gestiegen, der Anstieg der Software war mit 13 % p. a. hingegen höher. Beide Sektoren werden voraussichtlich 2025 den Hochpunkt der Umsätze erreichen, die Services mit knapp 270 Mio. USD, die Software mit 200 Mio. USD.

Weltweit wichtigste Unternehmen

Die Abbildung 23 veranschaulicht uns die Top-10-Unternehmen der automatischen Datenerfassung im Jahre 2019, gemessen anhand der Umsätze. Den mit Abstand größten Anteil des Marktes hatte Zebra Technologies mit Umsätzen i. H. v. 2,60 Mrd. USD in 2019. Addiert man alle Umsätze der abgebildeten Konzerne, entspricht dies einem Anteil von knapp 45 %. Den zweiten Platz belegt Honeywell mit einem Anteil von 13,76 % am Gesamtmarkt. Die Umsatzerlöse waren 2019 knapp unter 800 Mio. USD und damit deutlich niedriger als noch bei Zebra Technologies. Das dritte Unternehmen ist gleichzeitig auch das letzte Unternehmen, welches über 10 % der Gesamtumsätze ausmacht. Die Einnahmen von Datalogic waren in 2019 582,40 Mio. USD hoch.

Alle anderen Konzerne besaßen jeweils weniger als 5 % der Marktanteile. Aus unserer Sicht würde es daher keinen Sinn machen, genauer auf einzelne Firmen einzugehen. Wichtig war, dass wir uns einen besseren Überblick über Zebra Technologies verschaffen konnten.

RFID-Technologie

Einleitung

RFID steht für Radiofrequenz-Identifikation. Diese Technologie ermöglicht das kontaktlose Speichern und Auslesen von Daten und wird in vielen Branchen und Bereichen verwendet. Ein gutes Beispiel hierfür wären Debit- und Kreditkarten, die mit einem Funk-Bezahlsystem arbeiten. Hier wird die RFID-Technologie verwendet.

Entwicklung der Marktgröße

Abbildung 24 zeigt uns zum einen, wie die Umsätze der weltweiten RFID-Technologie sich entwickeln, aber auch die dazugehörigen Sektoren. Man erkennt u. a. den Einzelhandel und Finanzdienstleistungen.

Der Einzelhandel schaffte es in jedem abgebildeten Jahr, der wichtigste Bereich der RFID-Technologie zu sein. Mit Einnahmen von 11,60 Mrd. USD in 2025 wird dieser Sektor die Erlöse nochmals um 16 % steigern können. Hier wird die RFID-Technik in vielerlei Hinsicht als Alternative zum Barcodesystem eingesetzt, wobei dieses nicht gänzlich ersetzt werden muss. Es bietet eine weitaus höhere Genauigkeit und Effizienz bei der Inventur. Das Jahr mit dem niedrigsten Wachstum war hier 2016 mit +6,45 % innerhalb eines Jahres. Die Anstiege sind hier im Vergleich zum zweitgrößten Sektor jedoch stabil, denn bei den Finanzdienstleistungen gibt es teilweise Wachstumsraten von 7,40 %, dann aber auch wieder Jahre mit einem Wachstum von 28,57 % im besten Jahr. 

Insgesamt schwankt der Anstieg hier sehr, das durchschnittliche Wachstum ist hier, genau wie bei dem Einzelhandel, etwas über 14 %. Genutzt wird die RFID-Technologie vorwiegend in Kombination mit der NFC-Technik, womit man heutzutage sogar mit dem Handy bezahlen kann. Aber auch die übrigen Branchen haben ein ähnliches Wachstum zwischen 10-15 % im Durchschnitt und wachsen damit über den gesamten Zeitraum sehr kontinuierlich und stark. 

Überblick über die Konkurrenz

Kennzahlen

In folgender Tabelle vergleichen wir die Konkurrenten von Zebra Technologies anhand der Kennzahlen. 

Unternehmen Zebra Technologies Honeywell Cognex Datalogic
WKN/ISIN
882578/US9892071054
870153/US4385161066
878090/US1924221039
A0JMQC/IT0004053440
Mitarbeiter
9.800
99.000
2.257
2.900
Marktkapitalisierung
13,81 Mrd. USD
115,48 Mrd. USD
7,44 Mrd. USD
402,70 Mio. EUR
Umsatz
5,80 Mrd. USD
34,36 Mrd. USD
1,09 Mrd. USD
625,04 Mio. EUR
Umsatzwachstum (letzten 5 Jahre)
10,89 % p. a.
-4,02 % p. a.
7,87 % p. a.
-0,23 % p. a.
Umsatzwachstum (nächsten 3 Jahre)
4,57 % p. a.
5,23 % p. a.
5,15 % p. a.
3,46 % p. a.
Bruttomarge
45,25 %
32,09 %
71,29 %
40,55 %
EBIT Marge
9,08 %
20,44 %
30,78 %
5,59 %
KUV
2,38
3,35
6,85
0,64
KGV
27,79
22,89
28,78
16,14
Dividendenrendite
-
2,40 %
0,61 %
4,35 %
Ausschüttungsquote
-
53,58 %
17,57 %
42,86 %
Nettoverschuldung
2,06 Mrd. USD
10,42 Mrd. USD
-359,68 Mio. USD
71,88 Mio. EUR
Renditeerwartung bis 2024 nach dem Fair Value*
20,70 % p. a.
14,90 % p. a.
28,60 % p. a.
14,10 % p. a.

*Die Berechnung der Renditeerwartung anhand des Fair Values entstammt der „Faire Wert“-Funktion von Aktienfinder.net. Dabei haben wir das durchschnittliche KGV der letzten fünf Jahre verwendet und in Kombination mit den erwarteten Nettoergebnissen in die Zukunft fortgeschrieben.

Entwicklung des fairen Werts

In Bezug auf die Renditeerwartung bis 2024 nach dem Fair Value (siehe vorherige Tabelle), ist der Abbildung 28 die Entwicklung des fairen Werts zu entnehmen. Aktuell notiert die Aktie rund 20 % unter dem Fair Value. Ein solcher Abschlag ist für die Aktie typisch und kam in den letzten Jahren hin und wieder vor.

Performance seit 10 Jahren

In den letzten 10 Jahren konnte Zebra Technologies alle weiteren Aktien outperformen, aber dies führt wiederum auch zu höheren Drawdowns. Das Unternehmen ist zusammen mit Cognex deutlich volatiler als Honeywell und Datalogic.

4. Chancen und Risiken  

Chancen 

Expansion in andere Bereiche (1)

Zebra Technologies plant in den kommenden Jahren in angrenzende Marktsegmente zu expandieren und so das Geschäft weiter auszubauen. Dabei geht es dem Unternehmen vor allem darum, nicht komplett neue Sektoren mit aufzunehmen, sondern die eigenen Produkte und Lösungen in neuen Sektoren zu etablieren und davon zu profitieren. Dafür gab es 2021 bereits eine erste Akquisition, die in diese Richtung geht. Mit Temptime übernahm man einen Konzern, der im Bereich der Temperaturüberwachung im Medizinsektor tätig ist. Die Besonderheit besteht darin, dass Zebra Technologies plant, diese Produkte und Ansätze gleichzeitig auch in anderen Branchen einzusetzen. Gleichzeitig hat man sich aber auch im Medizinsektor verstärkt.

Hohe Investitionen großer Konzerne (2)

Eine weitere Chance sind hohe Investitionen großer Konzerne in die Lagerautomatisierung. Dieser Punkt geht mit den durchaus positiv zu bewertenden Aussichten und Prognosen einher. In der Corona-Pandemie gab es bereits hohe Investitionen von Firmen wie Amazon, Home Depot oder Walmart, dieser Trend soll sich jedoch fortsetzen, da sich der E-Commerce-Bereich bis 2024 auf eine Größe von 6,40 Bio. USD verdoppeln soll. Klar ist, dass in einem solchen Szenario die Kapazitäten nochmals vergrößert werden müssen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Und genau an dieser Stelle liegt die Chance für Zebra Technologies. Aber auch die Prognosen sprechen für ein weiterwachsendes Geschäft.

Risiken

Große Abhängigkeit von den größten drei Kunden (1)

Eintrittswahrscheinlichkeit: niedrig-mittel
Auswirkungen: mittel-hoch
 
Wie aus Abbildung 27 zu entnehmen ist, gibt es eine starke Abhängigkeit seitens Zebra Technologies gegenüber den größten drei Kunden des Unternehmens. Denn seit 2019 lag die Gewichtung am Gesamtumsatz bei knapp 50 %. Dies ist deshalb problematisch, da Zebra Technologies, wenn es zu einem fundamentalen Problem in einem der drei Konzernen kommen sollte, bis zu 22 % der Umsätze wegbrechen könnten. Ich denke diesen Punkt muss man nicht weiter ausführen, um zu verstehen, dass dies ein echtes Risiko ist. Auf der anderen Seite sehen wir jedoch auch, dass es geschafft wurde, über die letzten Jahre, die Umsatzgewichtung der drei Firmen relativ stabil zu halten und auch während der Corona-Pandemie sogar zu steigern. Dennoch ist dies ein Risiko, das aus unserer Sicht mittlere-hohe Auswirkungen auf Zebra Technologies hätte.

Hoher Wettbewerbsdruck in der Branche (2)

Eintrittswahrscheinlichkeit: niedrig-mittel
Auswirkungen: mittel

Besonders in der Automatisierungsbranche gab es schon in der Vergangenheit viel Wettbewerb und Innovation, besonders aber Fortschritte und Weiterentwicklungen, die die vorherige redundant gemacht haben. Ein Beispiel hierfür sind die vorhin angesprochenen Robotersysteme in der Lagerautomatisierung. Während lange Zeit die fahrerlosen Transportsysteme Standard waren und von vielen Konzernen genutzt wurden, stellten die autonomen mobilen Roboter dieses System in den Schatten. 

Dies könnte daher zum Problem von Zebra Technologies werden, da technologische Weiterentwicklungen zwar wichtig sind, es jedoch nicht garantiert ist, dass sie als Gewinner eines solchen Fortschritts hervorgehen. Uns ist bewusst, dass dieses Risiko in nahezu jeder Analyse mit aufgenommen werden könnte; das ist bei dieser Recherche aber besonders stark aufgefallen. 

Wir stufen die Eintrittswahrscheinlichkeit auf niedrig-mittel ein, da es zum einen erstmal einen solchen technologischen Fortschritt geben muss und es sich gleichzeitig zeigen muss, dass Zebra Technologies kein Gewinner dieser Weiterentwicklung ist. Die Auswirkungen sind schwer zu kalkulieren. Denn es hängt nicht nur von der eben schon angesprochenen Auswirkung für das Unternehmen an sich ab, sondern auch von der jeweiligen Branche, in welcher der Fortschritt erkennbar ist. Diese beiden Punkte sind nur schwer berechenbar, daher sind die Auswirkungen aus unserer Sicht auf mittel einzustufen. 

5. Unsere Bewertung 

Eigenkapitalkosten

Unsere Werte für Zebra sind hier wie folgt:

Risikoloser Basiszins: 3,00 %

Risikoprämie: 7,60 %

Marktrendite: 7,00 %

Beta: 1,9

Diese ergeben insgesamte Eigenkapitalkosten von 10,60 %, welche wir, durch das erwartete Wachstum, die aktuelle Marktlage durchaus für gerechtfertigt halten.

Bilanzanalyse

Zebra weist eine Bilanzsumme von ca. 6,20 Mrd. USD aus, was einem Wachstum im Vergleich zum letzten Jahr von etwa 15 % entspricht. Sehr auffällig ist hier der ca. 3,30 Mrd. USD große Posten Goodwill. Dieser nimmt nicht nur mehr als die Hälfte der gesamten Aktivseite ein, sondern ist auch mit Abstand die größte Einzelposition. Selbst im Vergleich mit dem gesamten Umlaufvermögen (etwa 1,70 Mrd. USD) ist der Goodwill sehr groß.

Die Zahlungsmittelbestände belaufen sich auf 332 Mio. USD und etwa 750 Mio. USD werden als noch ausstehende Zahlungen geführt. Positiv zu werten ist dabei auf jeden Fall, die ungefähre Verdopplung der Cash-Position über das letzte Geschäftsjahr.

Auf der Passivseite werden 1,80 Mrd. USD kurzfristige Verbindlichkeiten, ca. 1,40 Mrd. USD langfristige Verbindlichkeiten und etwa 3 Mrd. USD Eigenkapital ausgewiesen.

Insgesamt sieht die Bilanz nicht ganz optimal aus. Zum einem ist der Goodwill sogar größer als das ausgewiesene Eigenkapital und zum anderen übersteigen die kurzfristigen Verbindlichkeiten bei weitem auch die aktuellen Zahlungsmittelbestände. Daran ändern auch die 750 Mio. USD an ausstehenden Zahlungen nichts. Wenn man dazu noch den Free Cashflow nimmt, dürften die Verbindlichkeiten ohne größere Probleme gedeckt werden können, allerdings würde so etwas zulasten der Profitabilität gehen. So ist für 2022 auch ein Gewinnrückgang prognostiziert.

Zugutehalten müssen wir Zebra aber, dass sie besser dastehen als letztes Jahr. So sind die kurzfristigen Verbindlichkeiten sogar um 50 Mio. USD zurückgegangen, während sich die Zahlungsmittelbestände, wie bereits erwähnt, etwa verdoppelt haben. Es ist also ein Weg zum, nach unserer Meinung, Besseren erkennbar.

Optimistisches Szenario

Für die Jahre 2022 bis 2024 rechnen wir mit einem durchschnittlichem Umsatzwachstum von ca. 4,50 % p. a. Anschließend soll es hier noch einen Anstieg bis auf 9 % (2026) geben und dann nach und nach rückläufig sein. 2031 nehmen wir noch ein Umsatzwachstum von 4 % und für die ewige Rente (2032ff.) 2 % an.

Bezüglich der Margen gehen wir von einem konstanten Wachstum auf 25 % bis in die ewige Rente (2032ff.) aus.

Für die Dividendenzahlungen nehmen wir an, dass hier auch zukünftig kein Geld an die Aktionäre ausgeschüttet wird, jedoch ca. 0,10 % der Aktien p. a. zurückgekauft werden.

Der dann ermittelte faire Wert beläuft sich auf 267,88 USD und gibt damit eine nahezu perfekte Bewertung an.

Mit einem KGVe von 25 in 2031 kommen wir dann auf eine Renditeerwartung von 11,81 % p. a.

Pessimistisches Szenario

Das pessimistische Szenario gestalten wir bis 2024 exakt gleich wie das optimistische. Anschließend gehen wir davon aus, dass sich der Höchstpunkt in 2026 nur auf 7 % beläuft und der anschließende Rückgang stärker ausfällt. 2031 soll der Umsatz dann nur noch um 2 % wachsen und unsere Annahme für die ewige Rente (2032ff.) legen wir auf 1,50 %.

Für die Margen kalkulieren wir mit einem langsamen Anstieg nach 2024 (19 %) auf 20 % (2032ff.)

Zum aktuellen Zeitpunkt kommen wir damit nur noch auf einen fairen Wert von 201,35 USD und eine entsprechende Überbewertung von etwa 32 %.

Mit einem Gewinnmultiple von 15 kommen wir dann auf eine Rendite von 2,68 % p. a.

Auch hier gehen wir davon aus, dass in den nächsten Jahren mit Dividendenzahlungen begonnen wird. Zusätzlich gehen wir auch von Aktienrückkäufen i. H. v. ca. 0,05 % der ausstehenden Aktien aus.

DCF-Modell

Bei der DCF-Berechnung kommen wir auf einen WACC von 10,09 % und verwenden einen Wachstumsabschlag von 2 %.

Wir rechnen damit, dass die Free Cashflow Marge von den für 2022 erwarteten 12 % auf bis zu 20 % (2027e) steigt.

Für den Zeitraum 2022e bis 2024e verwenden wir hier die Umsatzzahlen der beiden DNP-Szenarien. Anschließend nutzen wir bis 2027e Durchschnittswerte aus diesen.

Damit kommen wir auf einen fairen Wert von 277,09 USD und eine Unterbewertung um 3,76 %.

Das Modell findest du hier

Unsere Einschätzung

Zebra Technologies ist in einem durchaus interessanten Markt aktiv und hat unserer Meinung nach einiges an Potenzial. So richtig überzeugen konnte mich Zebra Technologies aber aktuell nicht. Die Bewertung würden wir zwar momentan als durchaus fair bezeichnen, aber die angesprochenen Probleme bei der Bilanzanalyse und die unter Risiken aufgeführten Punkte sind prägnanter, als wir sie für eine grüne Investmentampel haben wollen. Die Bilanz hat sich im letzten Jahr auch ein gutes Stück entspannt und sollte sich dieser Prozess auch zukünftig weiterhin so durchsetzen, würden wir das als sehr positiv bewerten.

Ich (Christian) habe Zebra Technologies nicht im Depot, und plane aktuell auch keinen Einstieg. Sollte sich eine günstige Gelegenheit bieten, werde ich da aber gegebenenfalls noch einmal drüber nachdenken.

Meine erwartete Rendite liegt hier bei etwa 9 % p. a.

Die Investmentampel stelle ich auf Gelb, da die Rendite hier die Risiken, meiner Meinung nach, nicht ausreichend kompensiert und die Bilanz auf jeden Fall ein paar relevante Negativpunkte aufweist.

Die genaue Berechnung kann der Exceltabelle (DNP-Modell) durch einen Klick entnommen werden.

6. Technische Ansicht

Charttechnische Trendeinordnung

Übersicht

Langfristig

Langfristig ist Zebra Technologies in einem Aufwärtstrend, welcher seit 2009 eine neue Trendgeschwindigkeit und -struktur angenommen hat. Die letzte große Korrektur erfolgte 2015 bis 2016 und in dieser Größenordnung ist auch die aktuelle Abwärtsphase einzuordnen. Der übergeordnete Trend wird aus diesem Grund erst unterhalb des Tiefs bei 46,13 USD gebrochen. Im Optimalfall bleibt die engere Trendstruktur der letzten Jahre allerdings intakt und das Tief bei 150,06 USD wird nicht unterboten.

Mittelfristig

Den mittelfristigen Abwärtstrend hatte die Aktie vor ein paar Monaten bereits einmal neutralisiert, aber nun rutschte Zebra Technologies doch wieder auf neue Tiefs. Zwar liegt noch keine neue Abwärtstrendstruktur vor, aber die übergeordnete Richtung zeigt abwärts.

Kurzfristig

Kurzfristig befindet sich Zebra Technologies ebenfalls in einem Abwärtstrend und die aktuelle Aufwärtsbewegung ist vorerst nur als normale Korrektur anzusehen.

Aussicht

Zebra Technologies hat jüngst die wichtigste Unterstützung getestet und die Käufer reagierten prompt. Da der Test der Kursregion aber erst wenige Tage zurückliegt, konnte noch kein Boden gebildet werden, um eine nachhaltige und stabile Umkehr einzuleiten. Sollte es die Aktie über die rot markierte Widerstandszone schaffen, dann ist eine weitere Ausweitung der Korrektur mit tieferen Tiefs sehr unwahrscheinlich.

Rutscht die Aktie jedoch noch einmal auf tiefere Tiefs, dann wird der langfristige Trend (bezogen auf die beschriebene engere Struktur) geschwächt. Spätestens im Bereich bei ca. 200 USD sollte eine Stabilisierung erfolgen – auch aus Sicht der übergeordneten Struktur wäre dies dann eine angemessene Korrekturlänge.

Technisches Wir Lieben Aktien-Rating

Im technischen Wir Lieben Aktien-Rating erreicht Zebra Technologies mit 8 von 10 Punkten ein sehr gutes Ergebnis. Zu kritisieren sind zwei Widerstandszonen (Volumen-Cluster) über dem aktuellen Niveau, wobei diese nicht wirklich stark sind, und einen weiteren Punkt ziehe ich (Jan) subjektiv ab. Die aktuelle Korrekturphase ist außergewöhnlich groß und nur mit einer vergangenen Abwärtsphase (2015 bis 2016) vergleichbar. Dies erschwert eine zuverlässige Einschätzung.

Marktsymmetrie

Wie bereits beschrieben, ist im Monats-Chart eine gröbere langfristige Struktur und eine feinere Struktur erkennbar. Die Analyse der Marktsymmetrie ist generell erst seit dem Tief in 2009 sinnvoll, denn hier wurde eine neue Trendgeschwindigkeit etabliert.

Die aktuelle Korrektur ist vom Ausmaß und der zeitlichen Länge mit der Abwärtsphase in 2015 bis 2016 vergleichbar. Insofern ist die derzeitige Korrektur außerordentlich groß und überdurchschnittlich (im Verhältnis zu den sonstigen Abwärtsbewegungen der feineren Struktur). Insgesamt gestaltet dies eine Einschätzung als schwierig.

Dass die aktuelle Korrektur ein überdurchschnittliches Ausmaß erreicht hat, erkennt man auch in Bezug auf die Trendgeschwindigkeit. In der folgenden Abbildung sind diverse EMAs (exponentiell geglättete gleitende Durchschnitte) abgebildet und in diesem Fall reicht die Abwärtsphase bis in den orangenen Bereich. Dies war das letzte Mal in 2016 der Fall. Damals wurde sogar der rote Bereich noch getestet, was eine Ausweitung der aktuellen Korrektur möglich erscheinen lässt.

7. Fazit

Die Hard- und Softwarelösungen von Zebra Technologies ermöglichen die Digitalisierung und Automatisierung von Arbeitsabläufen in vielen verschiedenen Branchen. Nachdem sich die Kunden des Unternehmens in 2020 aufgrund der Corona-Pandemie diesbezüglich mit Investitionen zurückhielten, konnte im vergangenen Geschäftsjahr dafür ein umso größerer Umsatz- und Gewinnanstieg verbucht werden. Wenngleich das operative Geschäft des Unternehmens im laufenden Geschäftsjahr von mehreren Faktoren beeinträchtigt wird, scheinen die langfristigen Trends vollkommen in Takt zu sein. Zukünftig hält das Management von Zebra Technologies eine durchschnittlich organische Wachstumsgeschwindigkeit i. H. v. 5-7 % für realistisch.

Wie beschrieben, steht die Investmentampel auf Gelb, mit einer Renditeerwartung von rund 9 % pro Jahr. 

Zebra Technologies befindet sich langfristig in einem Aufwärtstrend, welcher stets von einer gewissen Dynamik geprägt ist. Die derzeitige Korrektur hat ein überdurchschnittliches Ausmaß erreicht, aber dennoch befindet sich die Aktie nun in einer Unterstützungszone, die das Potenzial hat, eine Trendumkehr herbeizuführen.

Autoren dieser Analyse 

Christian Lämmle
Christian Lämmle

"Markets are never wrong, only opinions are."
- Jesse Livermore

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Transparenzhinweis und Haftungsausschluss:

Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch “Wir Lieben Aktien”, oder durch einen für “Wir Lieben Aktien” tätigen Autor statt. Dieser Beitrag soll eine journalistische Publikation darstellen und dient ausschließlich Informationszwecken. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden. Wer an den Finanz- und Rohstoffmärkten handelt, muss sich zunächst selbstständig mit den Risiken vertraut machen. Der Kunde handelt immer auf eigenes Risiko und eigene Gefahr. “Wir Lieben Aktien” und die für uns tätigen Autoren übernehmen keine Verantwortung für jegliche Konsequenzen und Verluste, die durch Verwendung unserer Informationen entstehen. Es kann zu Interessenkonflikten kommen, durch Käufe und einen darauffolgenden Profit durch eine positive Kursentwicklung von in Artikeln erwähnten Aktien. 

Mehr Infos unter: https://wir-lieben-aktien.de/haftungsausschluss/

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