
Sartorius Aktie Analyse
Die beste deutsche Pharmaaktie?
Aktualisiert am 06.10.2026. Analyse vom 06.10.2026
von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann
Kurzvorstellung von Sartorius
Die Sartorius AG ist ein Schlüsselspieler in der Biopharma-Produktion und Labortechnologie – zwei Märkten, die durch Innovationen in der Gen- und Zelltherapie sowie steigende Investitionen in die Gesundheitsbranche stark wachsen. Das Unternehmen liefert essenzielle Ausrüstungen für Forschung und Produktion und profitiert direkt vom anhaltenden Biotech-Boom. Doch ist die Aktie nach dem jüngsten Kursrückgang ein Kauf? In dieser Analyse beleuchten wir das Geschäftsmodell, die Finanzlage und die langfristigen Perspektiven, um herauszufinden, ob Sartorius weiterhin ein Wachstumswert bleibt.
1. Das Unternehmen
Geschäftsmodell
Einleitung
„Mit unseren Lösungen unterstützen wir unsere Kunden dabei, Medikamente sicher, zeit- und kosteneffizient zu entwickeln.“ – so fasst die Sartorius AG sein Geschäftsmodell in nur einem Satz zusammen. Genauer gesagt befasst sich das deutsche Unternehmen innerhalb seiner zwei übergeordneten Geschäftsbereiche – die wir im weiteren Verlauf dieses Abschnitts genauer betrachten werden – mit der Herstellung von Laborausrüstung bzw. Lösungen für Life Sciences, agiert somit als Laborzulieferer.
Bevor wir zum operativen Geschäft der Sartorius AG kommen, ist ein Blick auf die Konzernstruktur für den weiteren Verlauf der Analyse nötig. Zur Sartorius-Gruppe gehört mit Sartorius Stedim Biotech S.A. nämlich ein weiterer börsennotierter Konzern, dessen Aktien an der Euronext in Paris gelistet sind. Die Sartorius AG als Muttergesellschaft der Gruppe hält aktuell 71,50 % der Aktien und 83,00 % der Stimmrechte an seiner französischen Tochter. Dadurch werden deren Umsätze und Gewinne vollständig in der Gewinn- und Verlustrechnung seiner Mutter konsolidiert. Dies führt unter anderem zu nicht unerheblichen Gewinnanteilen nicht-kontrollierender Gesellschafter – doch dazu später in dieser Aktienanalyse mehr.
Bioprocess Solutions
Den mit Abstand wichtigsten der Einnahmen erzielt der Laborzulieferer Sartorius mit dem Verkauf von Produkten in seinem Bioprocess Solutions-Segment. Diese werden bei allen wesentlichen Schritten in der Herstellung und im Research von Biopharmazeutika verwendet. Das Portfolio ist zwar äußerst diversifiziert und umfasst tausende verschiedener Lösungen, fokussiert sich im Kern mit Abstand jedoch auf folgende Technologien:
- Filtration: Entfernung von Verunreinigungen von Flüssigkeiten oder Gasen
- Fermentation: Kontrollierte Zucht von Mikroorganismen wie Bakterien
- Flüssigkeitsmanagement: Effiziente Aufbewahrung und Transfer von Flüssigkeiten
Des Weiteren ist an dieser Steller erwähnenswert, dass dieser Geschäftsbereich von Sartorius eine Art „Abo-Charakter“ hat, da in etwa drei Viertel der Erlöse durch den Verkauf von sterilen Einwegprodukten erzielt werden. Während diese für den Kunden mit Kostenvorteilen, Flexibilität sowie weniger Ressourceneinsatz und somit einer niedrigeren ökologischen Belastung einhergehen, kann Sartorius von einer hohen Stabilität profitieren.
Lab Products & Services
Aufgrund der attraktiven Wachstumsaussichten der Biotechnologiebranche befasst sich Sartorius seit vielen Jahren auch innerhalb seines zweiten übergeordneten Geschäftsbereichs mit der Bereitstellung von Lösungen für diese Sparte. Dabei richtet sich das Unternehmen mit Lab Products & Services insbesondere an Forschungslabore von Pharma- und Biotechnologieunternehmen sowie akademische Forschungseinrichtungen.
Der Fokus liegt in der Sparte auf der sogenannten Bioanalytik, die sich mit der Analyse von Molekülen und Zellen beschäftigt. Das Stichwort in diesem Kontext lautet Automatisierung. Denn während ein Großteil der Prozesse heutzutage noch manuell ausgeführt wird, trägt Sartorius mit seinen intelligenten Lösungen zu einem automatisierten und effizienteren Workflow bei, was nicht nur die Prozesse verkürzt, sondern auch die Analyse wesentlich größerer Mengen ermöglicht. Des Weiteren vertreibt Sartorius Premium-Laborinstrumente wie Laborwaagen und Pipetten sowie Verbrauchsmaterialien wie Filter, bei denen das Unternehmen nach eigenen Angaben über „signifikante Marktanteile“ verfügt. Ein Überblick über den Bereich Lab Products & Services ist Abbildung 3 zu entnehmen.
Wie in der nächsten Abbildung entnommen werden kann, bespielt Sartorius mit seinen zwei Geschäftsbereichen den gesamten Forschungs- und Entwicklungsprozess von Biopharmazeutika (Research & Development).
Historie
Gründung
Im Jahr 1870 gründete Florenz Sartorius im Alter von 24 Jahren die „Feinmechanische Werkstatt F. Sartorius“ in Göttingen, Niedersachsen. Anfangs stellte er Instrumente für die Professorenschaft der Georg-August-Universität her, wobei der Fokus früh auf der Produktion und Weiterentwicklung analoger Analysenwaagen lag. Diese Waagen beschleunigten die Arbeitsprozesse in Forschung und Industrie erheblich.
Bereits 1876 präsentierte Florenz Sartorius seine innovativen Waagen auf der Weltausstellung in Philadelphia, USA, und erhielt dort eine Auszeichnung. Bis 1895 hatte das Unternehmen 3.000 Analysenwaagen ausgeliefert und beschäftigte 60 Mitarbeiter. 1898 zog das Unternehmen in ein neu errichtetes Werk vor den Toren Göttingens um, das bis Ende 2017 der Hauptsitz bleiben sollte.
Diversifizierung der Geschäfte
Durch Akquisitionen in den Jahren 1904 und 1905 erweiterte Sartorius sein Portfolio um Mikrotome und Schneidgeräte, um Proben für die mikroskopische Untersuchung vorzubereiten, sowie astronomische, geodätische (bezieht sich auf die Erdvermessung) und physikalische Messgeräte. 1914 wurde das Unternehmen zu Sartorius-Werke umgewandelt. Alle vier Söhne von Florenz Sartorius erhielten Anteile und leitende Funktionen, womit Sartorius zum Familienunternehmen wurde. Während des Ersten Weltkriegs wurde das Werk teilweise auf die Kriegsfertigung umgestellt.
Weltkriege und anschließendes Wachstum
Nach dem Tod von Florenz Sartorius im Jahr 1925 übernahmen seine Söhne Wilhelm und Erich die Leitung des Unternehmens. In der Zeit des Nationalsozialismus profitierte Sartorius von der Rüstungswirtschaft und setzte Zwangsarbeiter ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Wiederaufbau des Unternehmens unter der Leitung von Horst Sartorius.
In den 1950er Jahren erlebte Sartorius einen wirtschaftlichen Aufschwung durch die Waagenreihe Selecta und die weltweit erste seriell produzierte elektronische Waage, die Electrono 1. Die Membranfiltergesellschaft entwickelte sich zu einem rasch wachsenden Unternehmen. 1983 eröffnete Sartorius die erste Produktionsstätte außerhalb Deutschlands in Yauco, Puerto Rico.
Börsengang und die Fokussierung auf Biopharma
1990 ging Sartorius an die Börse, wobei die Mehrheit der Stammaktien in Familienbesitz blieb. Seit Mitte der 1990er Jahre legte das Unternehmen einen Schwerpunkt auf die Biotechnologie. 2002 überstieg der Umsatz der Sparte Biotechnologie erstmals den der Mechatronik.
Durch die Fusion mit der französischen Stedim Biosystems im Jahr 2007 entstand der Teilkonzern Sartorius Stedim Biotech, der sich auf die biopharmazeutische Industrie fokussiert. Seit dem Jahr 2021 ist die Vorzugsaktie (Vz) von Sartorius im deutschen Leitindex DAX gelistet. Während der Covid-19-Pandemie profitierte das Unternehmen stark von dem neuen Fokus und konnte bei der Entwicklung und Produktion von Impfstoffen unter anderem als Laborzulieferer unterstützen.
Aktionärsstruktur
Sartorius bietet Stamm- und Vorzugsaktien (Vz) an, die ein unterschiedliches Stimmrecht aufweisen. Die Stammaktien liegen mehrheitlich (55,00 %) im Familienbesitz oder in der Führungsebene des Unternehmens. Weitere 38,00 % liegen bei dem us-amerikanischen Laborausstatter Bio-Rad Laboratories. Lediglich 7,00 % befinden sich im Free-Float.
Bei den Vorzugsaktien ist Bio-Rad Laboratories mit Abstand der größte Investor mit einem Anteil von 28,00 %. Die restlichen 72,00 % befinden sich im Free-Float, es findet sich hier kein weiterer Investor, der einen größeren Anteil als 5,00 % hält.
Geschäftsführung
Dr. Joachim Kreuzburg
Kreuzburg, geboren im Jahr 1965, steht seit 2003 an der Spitze des Vorstands von Sartorius. Innerhalb des Vorstands verantwortet er die Bereiche Strategie, Personal, Konzernforschung, Recht sowie Kommunikation und Investor Relations. Zusätzlich ist Kreuzburg seit 2007 Verwaltungsratsvorsitzender des börsennotierten Teilkonzerns Sartorius Stedim Biotech.
Nach seinem Maschinenbau-Studium in Hannover war Joachim Kreuzburg zunächst am Niedersächsischen Institut für Solarenergieforschung in Hameln sowie am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Hannover tätig, wo er 1999 zum Dr. rer. pol. promovierte.
Seine anschließende Laufbahn bei Sartorius führte über mehrere leitenden Funktionen in den Bereichen Finanzen und Controlling, bevor er 2002 in den Vorstand von Sartorius berufen wurde.
Neben seiner Tätigkeit bei Sartorius ist Kreuzburg unter anderem Mitglied des Aufsichtsrats von Carl Zeiss, nicht-geschäftsführender Direktor im Verwaltungsrat von Ottobock Management, Mitglied des Senats der acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, sowie Vorstandsmitglied des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft.
CEO-Vergütung
Für das Fiskaljahr 2024 erhielt der CEO von Sartorius ein Grundgehalt i.H.v. 1,06 Mio. EUR, das auch den größten Teil der Vergütung ausmacht. Einen weiteren Anteil von 369,00 Tsd. EUR erreichte er durch eine variable leistungsbasierte Vergütungen. Weiter folgten 137,00 Tsd. EUR durch einen Aktienplan. Die Gesamtvergütung belief sich demnach auf 1,58 Mio. EUR.
Im Vorjahr erhielt Kreuzburg ein Grundgehalt mit demselben Wert. Über eine leistungsbasierte Vergütung folgten weitere 295,00 Tsd. EUR, sowie 431,00 Tsd. EUR über einen Aktienplan. Insgesamt erhielt er eine Vergütung in Höhe von 1,78 Mio. EUR
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