
Kurzvorstellung
Unsere Suche nach der derzeit attraktivsten E-Auto-Aktie geht in die nächste Runde. Nachdem wir uns die letzten Male mit chinesischen Herstellern befasst haben, geht es jetzt um den eigentlichen Pionier der Branche: Tesla. Der US-Konzern gilt als Vorreiter der Elektro-Automobilbranche und hat den Siegeszug der E-Mobilität überhaupt erst möglich gemacht. Dementsprechend ist die Aktie von 2019 bis zum Allzeithoch 2019 auch um mehr als 3.000 Prozent gestiegen. Tesla ist also schon lange kein Geheimtipp mehr - aber das muss ja nicht negativ sein, wenn die Renditeerwartungen trotzdem stimmen. Und damit befassen wir uns jetzt im Detail in dieser Analyse.
1. Das Unternehmen Tesla
Geschäftsmodell
Einleitung
Tesla gehört neben Playern wie BYD, Volkswagen sowie weiteren etablierten Automobilkonzernen zu den weltweit größten Herstellern von Fahrzeugen mit Elektroantrieb. Diese werden in verschiedenen Produktionsstätten, den sog. Gigafactorys, hergestellt. Neben mehreren Standorten in den USA betreiben die Amerikaner in China und Deutschland jeweils eine Fabrik. Sobald das Fahrzeug fertiggestellt wurde, wird dieses in den meisten Fällen ohne Umwege direkt an den Endkunden verkauft. Neben dem Auto als „Hardware“ haben die Abnehmer zudem die Möglichkeit, verschiedene Softwarepakete oder Funktionen zu erwerben bzw. im Rahmen eines Abomodells zu beziehen.
In den vergangenen Jahren hat Tesla viel Geld in den Ausbau der Fahrzeugflotte investiert. Während diese lange Zeit lediglich das Model „S“ (Limousine) und das Model „X“ (SUV) umfasste, wurden in der hingegen Vergangenheit das Model 3 und das Model Y eingeführt, welche den Massenmarkt adressieren sollen. Dass Tesla kürzlich ein futuristisches Modell namens „Cybertruck“ eingeführt hat, dürfte den meisten Lesern dieser Analyse bekannt sein. Der Cybertruck sorgte in den Medien für viel Aufsehen, denn er hebt sich deutlich (wie der Name “Cybertruck” schon sagt) von “normalen Autos” ab. In der nahen Zukunft ist weiterhin von einer Vergrößerung der Flotte auszugehen. So plant das Management in den kommenden Jahren die Einführung eines Lastkraftwagens sowie eine Neuauflage des Roadsters.
Ergänzt wird das Kerngeschäft von Tesla durch verschiedene Randgeschäfte, welche in Abbildung 3 dargestellt sind. Als wichtigste Herkunft für Einkünfte im Bereich dieser Randgeschäfte sind der Verkauf von Lösungen zur Erzeugung und Speicherung von Solarenergie hervorzuheben. Darüber hinaus erzielt der Konzern Einnahmen durch Dienstleistungen im „Charging“-Bereich. Hier ist in erster Linie das Netzwerk an Superchargern, welches sich neben den USA auch über mehrere Länder in Europa sowie China erstreckt, zu nennen. Für besonders große Fans der Marke „Tesla“ vertreibt das Unternehmen zudem verschiedene Lifestyle- und Bekleidungsartikel. In Relation zu den Automobilumsätzen sind diese Randgeschäfte hingegen zu vernachlässigen.
Das Tesla-Ökosystem
Das Ökosystem von Apple, welches auf eine langfristige Kundenbindung abzielt, ist vermutlich sogar jenen Menschen ein Begriff, welche die Produkte des Konzerns nicht nutzen. Doch wer sich nicht detailliert mit Tesla auseinandergesetzt hat, dem ist vermutlich gar nicht bewusst, dass der Autohersteller ebenfalls an dem Aufbau eines Ökosystems arbeitet. Dieses unterscheidet sich naturgemäß erheblich von Apples Variante. Wie Abbildung 3 zu entnehmen ist, soll dieses in Zukunft neben den Produkte und Lösungen, welche bereits heute auf dem Markt sind, u. a. humanoide Roboter umfassen. Während die Einführung einer solchen Innovation vermutlich noch einige Jahre in der Zukunft liegt, scheint die Etablierung eines Ride-Hailing-Dienstes auf Basis von autonomen Fahrzeugen (Robotaxis) deutlich absehbarer. In der Vision von Tesla werden diese Angebote von Versicherungen sowie Technologien im Bereich der Energiespeicherung abgerundet.
Fokus auf Megatrends
Mit Blick auf das vorgestellte Ökosystem steht außer Frage, dass sich bei Tesla alles um verschiedene Megatrends dreht. Im Vordergrund stehen hierbei wohl autonome Autos, an welchen das Unternehmen im Grunde seit seiner Gründung forscht. Ein Durchbruch in diesem Bereich würde hinsichtlich des Verkaufs entsprechender Software sowie der bereits erwähnten Einführung eines Ride-Hailing-Dienstes (Robotaxis), das ein Konkurrenzprodukt zu Uber darstellen würde, zusätzliches Umsatzpotenzial freisetzen. Wie schnell mit Robotaxis aber eine bestimmte Dimension an Erlösen erreicht werden kann, ist relativ unklar. Das Engagement im Bereich künstlicher Intelligenz steht im engen Zusammenhang mit autonomen Fahrzeugen und stellt somit ebenfalls eine zentrale Fokussierung von Tesla dar. Zu guter Letzt erzielt das Unternehmen bereits heute Umsätze im Bereich der erneuerbaren Energien und könnte in den nächsten Geschäftsjahren dementsprechend auch von Zuwächsen in diesem Bereich profitieren.
Historie
Gründung
Tesla wurde 2003 von Martin Eberhard und Marc Tarpenning unter dem Namen Tesla Motors gegründet. Beide fungierten als CEO und CFO des Unternehmens. Sie hatten das Ziel, nicht nur einen Automobilhersteller für Elektrofahrzeuge, sondern ebenfalls einen Technologiekonzern aufzubauen. Dabei sollten die Kerntechnologien in der Batterie, der Computersoftware und im firmeneigenen Motor liegen.
Ian Wright trat wenige Monate später als dritter Mitarbeiter dem Unternehmen bei. Ein Jahr nach der Gründung erhielt Tesla in der ersten Finanzierungsrunde 7,50 Mio. US Dollar, darunter 6,50 Mio. US Dollar von Elon Musk, welcher einige Zeit zuvor 100,00 Mio. US Dollar aus dem Verkauf seiner Beteiligung an PayPal erhalten hatte. Er wurde daraufhin Chairman of the Board und größter Anteilseigner von Tesla.
Eine im September 2009 vereinbarte Vergleichsvereinbarung zwischen Eberhard und Tesla ermöglicht es allen fünf Geschäftsführern – Eberhard, Tarpenning, Wright, Musk und Straubel – sich als Co-Founder zu bezeichnen.
Strukturänderung und Finanzierung
Die Strategie der Gründer war es, mit einem Premium-Sportwagen die ersten Kunden zu überzeugen, um nach und nach die Stückzahl der Fahrzeuge zu erhöhen und in der Preisklasse abzusteigen, um letztendlich zu erschwinglichen Kompaktwagen überzugehen.
Musk übernahm hierfür zwar eine aktive Rolle im Unternehmen, in das Tagesgeschäft war er jedoch weitestgehend noch nicht involviert. Seine Aufgabe lag darin, Gelder zu beschaffen, denn Tesla war noch lange nicht profitabel oder hatte überhaupt einen nachhaltigen Cash-Inflow. So leitete er in 2006 die zweite Finanzierungsrunde, wodurch über 13,00 Mio. USD erreicht wurden. Ebenfalls in 2006 wurde über eine dritte Runde 40,00 Mio. USD durch prominente Investoren, wie die Google Co-Founder Sergey Brin und Larry Page sowie den ehemaligen Ebay-Präsidenten Jeff Skoll eingenommen. Im Folgejahr wurden erneut Gelder eingesammelt und so insgesamt eine Investitionssumme von 105,00 Mio. USD erreicht.
Ende 2007 folgte der Rücktritt von Eberhard als CEO, auf Wunsch des Vorstands, unter der Leitung von Elon Musk. Eberhard übernahm daraufhin den Titel „President of Technology“, entschied sich jedoch ein paar Monate später dazu, das Unternehmen zu verlassen. Der Co-Founder und Vice President of Electrical Engineering Tarpenning schloss sich Eberhard an und verließ Tesla. Michael Marks und Ze’ev Drori übernahmen zwischenzeitlich die Rolle als CEO und Präsident, worauf Musk Ende 2008 in dieser Position folgte.
Tesla begann 2008 mit der Produktion des Model Roadsters in den Servicebuchten eines ehemaligen Chevrolet-Händlers in Menlo Park, Kalifornien, USA. Bereits Anfang 2009 hatte Tesla 187,00 Mio. USD an Kapital aufgebracht und dabei 147 Autos ausgeliefert. Musk unterstützte Tesla mit 70,00 Mio. USD seines privaten Vermögens.
In 2009 folgte ein entscheidender Schritt durch die Genehmigung eines Zinsdarlehens vom US-Energieministerium i. H. v. 0,47 Milliarden USD. Die Finanzierung, die Teil des 8,00 Milliarden USD umfassenden Advanced Technology Vehicles Manufacturing Loan Program war, unterstützte die Entwicklung und Produktion des Tesla Model S sowie kommerzielle Antriebstechnologien. Dies war wichtig, denn profitabel war Tesla weiterhin nicht und hatte auch keinen wirklichen Cash-Inflow.
Tesla erwarb 2010 ein Produktionswerk von Toyota in Fremont, Kalifornien, USA, und konnte so die Kapazitäten deutlich steigern. Wenige Monate später folgte das Listing an der NASDAQ. Damit machte Tesla den ersten Börsengang eines amerikanischen Automobilkonzerns seit dem IPO von Ford in 1956. Durch die eingenommenen Gelder konnte die Tesla Factory für die Produktion des Model S eröffnet werden. Das neue Modell löste damit auch den Roadster in 2012 ab. Ein Jahr später führte das Model S die Neuwagenverkaufsstatistik in Norwegen an und war 2015 sowie 2016 das weltweit meistverkaufte Elektroauto.
Technologie
In 2014 wurde mit der Ankündigung des Fahrerassistenzsytems Autopilot deutlich, dass Tesla nicht nur ein typischer Hersteller von Automobilen sein möchte. So wurden alle neuen Tesla-Fahrzeuge mit Sensoren und Software ausgeliefert, um Daten für das System zu sammeln. Im Folgejahr trat Tesla in den Energiespeichermarkt ein und stellte die Powerwall und das Powerpack vor. Als nächster Schritt im Bereich Technologie folgte der Kauf der SolarCity. Aufgrund von Liquiditätsproblemen wurde der Kauf durch einen Austausch von Aktien im Wert von 2,60 Milliarden USD getätigt.
Nach der Einführung des Luxus-SUV Model X folgte 2016 die Massenmarkt-Limousine Model 3. Um die Produktion zu beschleunigen und die Kosten zu kontrollieren, investierte Tesla stark in Robotik und Automatisierung für die Montage des Model 3. Diese Entscheidung sorgte anfangs für erhebliche Verzögerungen und Produktionsprobleme, die Tesla in große finanzielle Schwierigkeiten brachte. Ende 2018 waren die Produktionsprobleme überwunden und Tesla konnte damit neue Standards in der Produktion setzen.
In 2020 folgte Teslas zweites Massenmarkt-Fahrzeug, der Crossover-SUV Model Y. In dieser Zeit investierte Tesla stark in die Erweiterung der Produktionskapazitäten und eröffnete in kurzer Folge drei neue Gigafabriken in Shanghai (China), Berlin-Brandenburg (Deutschland) und Texas (USA). Die nächste soll 2025 in Mexiko folgen.
Nebenbei baute Tesla ein riesiges Ladenetzwerk für die eigenen Autos auf und etablierte sich so gut, dass bis Anfang 2024 fast alle großen nordamerikanischen Elektrofahrzeughersteller ankündigten, bis 2025 auf Teslas North American Charging Standard-Adapter umzusteigen. Damit sichert sich das Unternehmen eine langfristig stabile Einnahmequelle.
Aktionärsstruktur
Die Aktionärsstruktur von Tesla besteht aus lediglich drei Position, welche über 5,00 % der Anteile halten. Mit 20,50 % ist Elon Musk mit großem Abstand der größte Aktionär. Darauf folgen die bekannten Investmenthäuser Vanguard und BlackRock mit 7,20 % und 5,90 %.
Geschäftsführung
Elon Musk
Musk ist Technoking von Tesla, eine eigens erfundene Bezeichnung, und seit Oktober 2008 als CEO tätig. Seit April 2004 ist er Mitglied des Boards. Darüber hinaus ist er seit Mai 2002 CEO, CTO und Chairman der Space Exploration Technologies Corporation (SpaceX). Von Juli 2006 bis zur Übernahme durch Tesla im November 2016 war er Chairman of the Board von SolarCity, einem Unternehmen für Solaranlagen. Seit Oktober 2022 fungiert er ebenfalls als CEO von Twitter. Zudem ist der Unternehmern auch Gründer von The Boring Company, einem Infrastrukturunternehmen, und von Neuralink, einem Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von elektronischen Gehirn-Implantaten konzentriert.
Vor SpaceX war er Co-Founder von PayPal, welches im Oktober 2002 von eBay übernommen und 2015 ein unabhängiges Unternehmen wurde. Musk hat einen Bachelor of Science in Physik und BWL von der University of Pennsylvania, USA.
CEO-Vergütung
Der “Technoking” entschied sich dafür, keine regelmäßige Vergütung zu erhalten und das Geld in das Unternehmen zu reinvestieren. Jedoch hat Musk in 2018 über eine Abstimmung der Aktionäre ein Aktienpaket von 300,00 Mio. Anteilen zum derzeitigen Preis gewährt bekommen. Diese wurden mit hochgesteckten Zielen für das nächste Jahrzehnt gekoppelt. Als Tesla 2021 nach einer riesigen Rallye das ATH und damit einige Ziele erreichte, wurde das Aktienpaket auf 56,00 Mrd. USD geschätzt. Nach einer Klage und dem fehlenden Einverständnis eines Gerichts in Delaware war unklar, ob Musk diese Vergütung erhalten wird, aber eine Aktionärsabstimmung fiel zuletzt positiv aus.
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