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Porsche Aktie Analyse

Ist das IPO kaufenswert?

Analyse vom 17.03.2024

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung

Das IPO der Porsche AG Ende 2022 gehört zu den größten Listings des deutschen Prime-Standards in den letzten Jahren. Dementsprechend groß war auch die Aufregung kurz nach den ersten Taxierungen der Aktie und die Aktie legte in wenigen Wochen um fast 50% zu, was für einen deutschen Wert in dieser Größe keine Routine ist. Inzwischen ist die Anfangseuphorie jedoch verflogen und die Aktie der Porsche AG notiert seit einigen Wochen um den Ausgabepreis, war jedoch auch schon auf neuen Allzeittiefs. In dieser Analyse beantworten wir die Frage, ob sich die Korrektur der Aktie als Chance erweist und ob das neue Porsche Listing eine ähnliche Erfolgshistorie wie das von Ferrari werden kann.

1. Das Unternehmen Porsche

Geschäftsmodell

Einleitung

Der Markt für Automobile ist vielfältig und umfasst eine hohe Anzahl an unterschiedlichen Modellen bzw. Fahrzeugtypen in verschiedenen Preisklassen von einer Vielzahl an Herstellern. Jedem Leser dieser Analyse sollte klar sein, inwiefern Porsche innerhalb dieses Marktes einzuordnen ist: Der in Stuttgart beheimatete Konzern positioniert sich eindeutig als Hersteller von Premium- bzw. Sportwagen in der gehobenen Preisklasse. In diesem Teilbereich des globalen Automobilmarktes ist Porsche der mit Abstand größte Player, was schon einmal ein starker Indikator für eine gute Markstellung ist, doch dazu später mehr.

Die Positionierung und die Bekanntheit der Marke Porsche spiegelt sich in der Entwicklung des Markenwerts wider. Die Agentur Interbrand beziffert den Wert für 2023 auf 16,22 Mrd. USD – damit liegt Porsche hinter konkurrierenden Playern wie BMW, Mercedes oder Audi, aber vor Volkswagen, Ford oder Ferrari. Seit dem Jahr 2004 ist Porsche Teil der 100 wertvollsten Marken von Interbrand, einem Report, welcher jedes Jahr aktualisiert wird. Für die letzten 19 Jahre steht ein Anstieg von 8,17 Prozent pro Jahr zu Buche.

Automotive

Wie dem Namen dieses Geschäftsbereichs bereits zu entnehmen ist, befasst sich dieser (in erster Linie) mit dem Verkauf von Automobilen. Hierbei besitzt Porsche im Vergleich zu anderen Herstellern aus Deutschland und dem Ausland ein sehr fokussiertes Portfolio, welches die folgenden sechs Modelle in absteigender Relevanz umfasst: Cayenne, Macan, 911, Taycan, Panamera, 718 Boxster/Cayman.

Der genaue Anteil an den gesamten Auslieferungen von Porsche ist der unteren Abbildung zu entnehmen. Hierbei ist wichtig zu erwähnen, dass die Relevanz des Taycans vorübergehend nachgelassen hat, da Porsche von den Störungen der globalen Lieferketten betroffen war. Langfristig will sich der Stuttgarter Konzern von diesen Problemen nicht davon abbringen lassen, sich zunehmend auf Elektroautos zu fokussieren: Bis 2025 soll zunächst die Hälfte aller ausgelieferten Wagen mit Elektromotoren fahren. In 2030 will Porsche mit einem Anteil von ca. 80,00 Prozent bereits vorwiegend als Hersteller von BEVs (Battery Electric Vehicle) tätig sein.

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In diesem Kontext ist ein wichtiger Faktor nicht zu vernachlässigen: Obwohl Porsche nun als eigenständig börsennotierter Konzern agiert, ist die Kooperation mit Volkswagen alles andere als vorbei. Der Wolfsburger Konzern ist nämlich weiterhin an Porsche beteiligt und die Synergien im Einkauf, der Produktion sowie der Forschung und Entwicklung bleiben bis auf Weiteres erhalten, sodass Porsche trotz seiner Fokussierung auf Luxusautos von Skaleneffekten profitieren kann. Dieser Umstand wirkt sich u. a. positiv auf die Gewinnspannen von Porsche aus.

Wenngleich der überwiegende Anteil des Automotive-Geschäftsbereichs auf den Verkauf von Premium-Fahrzeugen zurückzuführen ist, umfasst dieser auch mehrere Randsegmente des Unternehmens namens Dienstleistungen und Design. Ersteres umfasst bspw. den Management- und IT-Berater MHP. Erst im vergangenen Geschäftsjahr hat Porsche seinen Anteil an MHP von 49,00 Prozent auf 100,00 Prozent erhöht. Innerhalb des Randsegments „Design“ verkauft Porsche hingegen verschiedene Alltagsgegenstände bzw. Accessoires – analog zu den Fahrzeugen im hohen Preisbereich. Hierzu gehören bspw. Sonnenbrillen, Kugelschreiber und Uhren.

Financial Services

Das zweite Segment trägt den Namen Finanzdienstleistungen bzw. Financial Services und spielt in Relation zum Automotive-Segment eine untergeordnete Rolle. Zumindest was die reine Höhe der Umsätze bzw. Überschüsse betrifft. Die eigentliche Bedeutung des Geschäftsbereichs wird jedoch deutlich, wenn man sich den Anteil der Fahrzeuge an den gesamten Auslieferungen vor Augen führt, welcher geleast oder finanziert wurde. Denn dieser belief sich in den vergangenen Geschäftsjahren jeweils auf rund 40,00 Prozent, sodass das Segment eine erhebliche Auswirkung auf die Absatzentwicklung des Konzerns nimmt. Darüber hinaus betreut Porsche mit seinen Finanzdienstleistungen in ausgewählten Märkten auch Kunden, welche sich für Fahrzeuge der Marken Lamborghini und Bentley interessieren. Somit kann der Stuttgarter Konzern auch in diesem Zusammenhang von seiner nach wie vor bestehenden Verbindung zu Volkswagen profitieren.

Historie

Ferdinand Porsche

Ferdinand Porsche (1875-1951) gehört mit seinen wegweisenden Innovationen zu den bedeutendsten Automobilkonstrukteuren des 20. Jahrhunderts. Bereits ab 1898 beschäftigte er sich mit dem Bau von Elektromobilen. Der Lohner-Porsche mit Radnabenantrieb hatte eine Reichweite von 50 Kilometern und erzielte 1900 auf der Pariser Weltausstellung Begeisterung. Noch im selben Jahr entwickelte Porsche mit dem Semper Vivus das erste funktionsfähige, serielle Hybridfahrzeug der Welt. Als Technischer Direktor bei Austro-Daimler legte Porsche ab 1906 mit Konstruktionen wie dem Prinz-Heinrich-Wagen, dem Landwehr-Train oder dem Leichtbau-Rennwagen Sascha den Grundstein für seinen internationalen Ruf. Nach seinem Wechsel zur Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart im Jahre 1923 baute Porsche in seiner Funktion als Technikvorstand hubraumstarke Sportwagen mit Kompressoraufladung. Die Kosten der technisch anspruchsvollen Entwicklungen widersprachen jedoch den Einsparungsbemühungen nach dem Zusammenschluss von Daimler und Benz im Jahre 1926. Porsche schied daraufhin 1928 aus und wechselte 1929 zu den österreichischen Steyr-Werken.

Gründung

Im Dezember 1930 machte sich Porsche inmitten der Weltwirtschaftskrise als 55-Jähriger selbstständig. Zusammen mit seinem Schwiegersohn Anton Piëch und Adolf Rosenberger, der 1933 wieder ausschied, gründete Porsche am 25. April 1931 in Stuttgart die Dr. Ing. h. c. F. Porsche GmbH, die die Konstruktion und Beratung für Motoren und Fahrzeuge anbot und anfangs zwölf Mitarbeiter beschäftigte. Ausdruck der innovativen Konstruktionslösungen war die 1931 erfolgte Patentanmeldung der Drehstabfederung.

Nach mehreren kleineren Projekten bekam das Konstruktionsbüro 1933 den lukrativen Auftrag zum Bau eines Rennwagens für die Auto Union. Der sogenannte P-Rennwagen mit 750 Kilogramm Gewicht und Mittelmotor war Porsches erster Grand-Prix-Rennwagen und sicherte das Fortbestehen der Firma. Hinzu kam ein Entwicklungsauftrag der NSU-Werke über einen Kleinwagen vom Typ 32, der mit einem luftgekühlten Heckmotor, Drehstabfederung und charakteristisch rundem Heck-Element die spätere Volkswagen-Konstruktion aufwies. Die Idee eines preisgünstigen Kleinwagens für eine größere Käuferschicht faszinierte Porsche, mit Blick auf die Massenmotorisierung in den USA, wie viele andere Konstrukteure und Ingenieure auch.

Zusammenarbeit mit Volkswagen

1934 lag Ferdinand Porsche dem Reichsverkehrsministerium seinen Plan für ein deutsches Volkswagenprojekt vor. Das unabhängige Porsche Konstruktionsbüro erhielt den Auftrag zur Entwicklung von Prototypen. 1937 wurde die Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH gegründet, wobei Porsche als Hauptgeschäftsführer fungierte. Sie agierten als externe Entwicklungsabteilung der Volkswagenwerk GmbH.

Nach dem Krieg führte das Unternehmen Reparaturaufträge durch und begann mit der Fertigung einfacher Landwirtschaftsmaschinen. Ferry Porsche entwickelte den Porsche 356, das erste Automobil unter eigenem Namen. Der erste Porsche Sportwagen rollte 1948 aus den Werkstätten in Gmünd. Die Zusammenarbeit mit der Firma Volkswagenwerk wurde geregelt, was Lizenzzahlungen und eine enge Zusammenarbeit bei Entwicklungsaufgaben einschloss. Porsche expandierte in den Folgejahren erfolgreich in den Auslandsmärkten, insbesondere in die USA.

Rennsporterfolge

Die Rennsporterfolge von Porsche bei prestigeträchtigen Veranstaltungen wie den 24-Stunden-Rennen von Le Mans, der Mille Miglia und der Carrera Panamericana trugen wesentlich zur großen Nachfrage bei. Bereits in den 1950er-Jahren verzeichnete das Unternehmen 400 Rennsiege und hat bis heute mehr als 28.000 Siege eingefahren. Der Motorsport diente Porsche als Experimentierfeld für neue Technologien und als effektive Werbung für Serienfahrzeuge. Die Zuverlässigkeit auf der Rennstrecke bestätigte das Qualitätsversprechen von Porsche, das sich auch in niedrigen Garantiekosten von nur 40,00 DM pro Fahrzeug beim Typ 356 C zeigte.

Die Suche nach einem Nachfolger für das Erfolgsmodell 356 begann 1957. Ferdinand Alexander Porsche präsentierte 1959 den Entwurf eines 2+2-Sitzers, aus dem das Fließheck-Coupé Typ 901 entstand. Dieses Fahrzeug wurde nach der Markteinführung als Typ 911 bekannt und ist das heutige Herzstück der Marke Porsche. Der 911 entwickelte sich zum Inbegriff des automobilen Traums, elegant und rasant zugleich. Um das neue Modell zu entwickeln, investierte Porsche 15,00 Mio. DM in den Kauf eines Karosseriewerks, wodurch das Unternehmen auf die Formel 1 und einen Teil der anderen Motorsportaktivitäten verzichten musste.

Als Aktiengesellschaft durch die Krise

Die Umwandlung von Porsche in eine Aktiengesellschaft im August 1972 brachte tiefgreifende Veränderungen in der Unternehmensstruktur mit sich. Die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche zogen sich aus dem operativen Geschäft zurück, während angestellte Manager nun die Leitung übernahmen. Die Familienmitglieder engagierten sich fortan im Aufsichtsrat, dessen Vorsitz Ferry Porsche lange innehatte.

Die Einführung von Sonntagsfahrverboten und Geschwindigkeitsbeschränkungen durch die Ölkrise 1973 verunsicherte die deutschen Automobilkunden. Porsche reagierte mit einer Senkung der Tagesproduktion und der Einführung von Kurzarbeit, jedoch wurde auch eine Erweiterung der Modellpalette eingeleitet. Mit der Einführung der G-Serie präsentierte Porsche eine neue Generation des 911, ausgestattet mit Sicherheitsstoßfängern, integrierten Kopfstützen, Pralltopf-Lenkrad und automatischen Dreipunktgurten. Trotz der Rezession stellte Porsche 1974 den 911 Turbo 3.0 Coupé vor, der eng an die eigenen Motorsportaktivitäten angelehnt war. Ursprünglich als Kleinserie geplant, erwies sich der Turbo mit seinem markanten Heckflügel und seinem leistungsstarken Turbolader als großer Verkaufserfolg. In den ersten drei Modelljahren baute Porsche 2.850 Fahrzeuge dieses Typs und überwand so die wirtschaftliche Krise.

In den 1990er-Jahren folgte die nächste Wirtschaftskrise, die Porsche erfolgreich bewältigte. Durch die Einführung neuer Modelle wie dem Zweisitzer Boxster im Jahr 1996 und dem Mittelmotor-Coupé Cayman im Jahr 2005 diversifizierte das Unternehmen sein Produktangebot im Roadster-Segment. Gleichzeitig stabilisierte sich der Umsatz und Ertrag mit der Einführung der dritten Generation des 911, dem Typ 993. Porsche profitierte von seiner Innovationskraft und einem neuen Markenauftritt, der die Werte und Stärken des Unternehmens unterstrich. Trotz früherer Herausforderungen und harten Sparmaßnahmen gelang es Porsche, sich als führender Hersteller hochwertiger Sportwagen zu etablieren und seine Position im globalen Automobilmarkt zu festigen.

Aktionärsstruktur

Generell muss bei dem Sportwagenbauer zwischen zwei Wertpapieren unterschieden werden, denn es gibt 455,50 Mio. Stammaktien und ebenso viele Vorzugsaktien. An der Börse sind nur die Vorzugsaktien mit der WKN PAG911 (ISIN: DE000PAG9113) notiert, sodass man auch nur auf diesem Weg Aktionär werden kann. Die Stammaktien werden direkt und indirekt (über Holdings) von Volkswagen und der Porsche SE (Holding) gehalten.

Insgesamt betrachtet gehörten die Aktien zum Ende des letzten Quartals zu 75,40 Prozent zu Volkswagen (über Holdings bzw. Holding-Strukturen), weshalb dieses Unternehmen der größte Aktionär ist. Damit liegt die Entscheidungsmacht klar in der Hand des Mutterkonzerns. Nur ein geringer Prozentsatz der Vorzugsaktien befindet sich im Streubesitz. Ein weiterer großer Aktionär ist der Staatsfonds von Qatar.

Wichtig: Bitte verwechselt das Wertpapier der reinen Holding (Porsche SE) nicht mit der Porsche AG. Die Porsche SE dient nur als Holding, primär zur Beteiligung an Volkswagen. Diese Holding ist schon wesentlich länger an der Börse notiert und dient maßgeblich als Holding für die Familien Porsche und Piëch.

Geschäftsführung

Dr. Oliver Blume

Geboren wurde Blume 1968 in Braunschweig, wo er 1987 auch sein Abitur und 1994 sein Diplom zum Maschinenbauingenieur an der Technischen Universität abschloss. Mit dem internationalen Traineeprogramm bei Audi stieg er direkt darauf in die Automobilbranche ein, im Anschluss arbeitete er als Planer für Karosseriebau und Lackiererei. Nur drei Jahre später übernahm er die Leitung des Karosseriebaus für den Audi A3. 2001 promovierte er an der Tongji Universität in Shanghai. Im gleichen Jahr wurde er zum Vorstandsassistent der Produktion berufen. Ab 2003 leitete er standortübergreifend Pilothallen bei Audi. 2004 wechselte er als Leiter der Planung und des Vorseriencenters zu SEAT, einem weiteren Volkswagen-Konzern, nach Barcelona. 2009 leitete er dann die Produktionsplanung bei Volkswagen direkt. 2013 folgte der Wechsel zu Porsche, er übernahm die Position des Vorstands für Produktion und Logistik in Stuttgart, bevor er dort 2015 zum Vorstandsvorsitzenden berufen wurde.

CEO-Vergütung

Im Geschäftsjahr 2023 erhielt Blume ein Jahresgrundgehalt von 0,80 Mio. EUR. Durch kurzfriste Vergütungen verdiente er 1,39 Mio. EUR. Weiterhin wurde er mit einem Versorgungsaufwand i. H. v. 324.342,00 EUR entschädigt. Eine Besonderheit ist der Bonus durch den Börsengang. Hier erhielt Blume die erste Tranche i. H. v. 0,64 Mio. EUR. Damit ergibt sich eine Gesamtvergütung von 3,15 Mio. EUR.

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Die Autoren haben diesen Beitrag nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, können die Richtigkeit der angegebenen Informationen und Daten aber nicht garantieren. Es findet keinerlei Anlageberatung durch „Wir Lieben Aktien“ statt. Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Börsengeschäfte sind mit erheblichen Risiken verbunden; der Kunde handelt stets auf eigenes Risiko.

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