Amazon Aktie Analyse

NASDAQ: AMZN

Von Jan Fuhrmann und Christian Lämmle

Amazon Inc. | WKN: 906866 | ISIN: US0231351067 | Ticker: AMZN (Nasdaq)

Amazon ist ein Gigant. Vom Online-Bücherversand hat sich das Unternehmen zu einem globalen Tech-Konzern entwickelt, der fast in jeder wichtigen Geschäftssparte der nächsten Dekade mitmischt. Amazon Web Services ist der größte Anbieter für Cloud Storage und Computing weltweit – und für Amazon die reinste Cashmaschine. Über Amazon.com ist man weltweit auf Platz 2 im E-Commerce, hinter Alibaba, nach Bruttohandelsvolumen. Prime Music ist ein knallharter Konkurrent von Spotify und Apple Music, Prime Gaming ist mit Twitch das Nonplusultra für Streaming und Prime Video nimmt Netflix weltweit immer mehr Marktanteile weg. Allein in Deutschland haben fast 20 Mio. Menschen Amazon Prime abonniert.

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Kapitel
Timestamp
Einleitung und Unternehmensvorstellung
00:00:00
Fundamentale Analyse
00:22:49
Branchenanalyse und Konkurrenzvergleich
00:34:29
Chancen und Risiken
00:45:24
Unsere Bewertung
00:53:34
Technische Analyse
00:57:37
Fazit
01:03:01

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Kurzportrait Amazon Aktie

Amazon wurde im Jahr 1994 von einem der (heute) reichsten Menschen der Welt gegründet: Jeff Bezos. Auch wenn er seit diesem Jahr nicht mehr der CEO des Unternehmens ist, so scheint die Erfolgsgeschichte auch weiterhin intakt zu sein. Die ursprüngliche Gründungsidee einer Online-Buchhandlung entwickelte sich im Laufe der Jahre nicht nur zu einem E-Commerce-Riesen.

Abomodelle im Bereich der Musik- und Film-/Videobranche gehören heute genauso zum Geschäft wie auch Amazon Web Services. Gerade letzteres sorgte in der letzten Zeit mit dem Thema Cloud für ein immenses Wachstum.

Nach der Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen korrigierte Amazon vergleichsweise stark. Charttechnisch bleibt der langfristige Aufwärtstrend davon allerdings unbeeindruckt. 

Die Aktienanalyse bezieht sich auf den Kenntnisstand unserer Recherche vom 28.08.2021.

WKN/ ISIN906866 / US0231351067
BrancheNicht-Basiskonsumgüter, Informationstechnologie
Peter Lynch EinordnungFast Grower
Fundamentales WLA-Rating?/10
Technisches WLA-Rating?/10
Marktkapitalisierung1,696 Bio. USD
Dividendenrendite0,00 %
KGV78,99
FirmensitzSeattle (USA)
Gründungsjahr1994
Mitarbeiter*innen1.298.000

1. Das Unternehmen Amazon

Vorstellung

Historie

Die Gründung (1994)

Der Gründer Jeff Bezos entwickelte die Unternehmensidee mit einem Arbeitskollegen und beschloss 1994 sich eigenständig in Vollzeit darauf zu konzentrieren. Ursprünglich ging es darum eine Online-Buchhandlung anzubieten, welche – wie viele große Tech-Konzerne – ihren Sitz zu Beginn in der Garage des Gründers hatte.

Mitte des Jahres 1995 verkaufte Bezos dann das erste Buch über seine Website und öffnete seinen Shop im Oktober für die Öffentlichkeit.

Von Anfang an erreichte man diesen auch unter der Domain amazon.com, obwohl Bezos den Namen “relentless” im Kopf hatte. Übersetzt bedeutet das “gnadenlos”, weshalb ihm von Freunden davon abgeraten wurde. Über relentless.com wird man aber auch heute noch direkt zu Amazon weitergeleitet. Der Name Amazon stammt vom gleichnamigen Fluss (Amazonas), welcher der längste der Welt ist. Mit diesem Superlativ wollte der Gründer die große Auswahl von Amazon betonen.

Der Börsengang (1997)

1997 erfolgte der Börsengang an der NASDAQ, der zunächst alles andere als erfolgreich verlief. Vom Hoch des ersten Handelstages büßte der Kurs in nur fünf Handelstagen fast 50 % ein. Diese Verluste wurden aber schnell wieder aufgeholt und die Aktie notierte nie wieder auf diesem Niveau.

Expansion

Seit 1998 expandierte Amazon weltweit und etablierte sich durch eine Übernahme auch auf dem deutschen Markt. Mit Telebuch akquirierte der Konzern aus den USA den Marktführer im deutschen Online-Buchhandel.

In den Folgejahren entschloss sich Amazon aber auch zur Erschließung neuer Segmente, indem man 1999 einen Musik-Shop und 2000 einen DVD- und Video-Shop eröffnete. Der Verkauf von Elektronik erfolgte ab 2001. 2002 öffnete das Unternehmen die eigene Plattform auch für Drittanbieter, welche nun über den “Marketplace” (Marktplatz) Produkte über Amazon verkaufen konnten. Im Laufe der Jahre konnten die Kund*innen dann immer mehr an verschiedener Ware bei Amazon einkaufen.

Amazon Prime (2005)

Amazon Prime wurde 2005 eingeführt, um eine möglichst schnelle Lieferung anbieten zu können und somit der Kundschaft bestmöglich zufrieden zu stellen.

Amazon Web Services (2006)

Eine sehr wichtige Sparte ist heute zudem das Cloud-Geschäft, das bei vielen unter Amazon Web Services oder kurz AWS bekannt ist. Zunächst konnten nur andere Unternehmen auf die Dienstleistungen von AWS zugreifen, ab 2012 aber auch Privatkund*innen.

Amazon Kindle, Pay und Fresh (2007)

Die Vision bei der Entwicklung von Amazon Kindle war die Möglichkeit ein Buch zu veröffentlichen, das nach einer Minute der ganzen Welt zur Verfügung steht. Seit 2007 ist dies mit Kindle Direct Publishing möglich. Zwei Jahre später wurde mit Amazon Publishing ein eigener Verlag gegründet.

Im selben Jahr wurde auch der Bezahldienst Amazon Pay eingeführt und mit Amazon Fresh erweiterte man das Geschäft auf den Bereich der Lebensmittel.

Amazon Studios (2010)

Im Jahr 2010 begann Amazon mit dem eigenen Engagement in der Film- und Serienproduktion und gründete die Studios-Sparte. Auf einer Online-Plattform kann jeder seine Ideen für Drehbücher hochladen und ggf. mit anderen daran arbeiten. Auf Basis dessen produziert Amazon dann einige dieser Ideen.

Amazon Drive und Amazon Prime Video (2011)

2011 wurden sowohl der Cloud-Speicher Amazon Drive, in dem man z. B. Dokumente ablegen kann, als auch Amazon Prime Video gelauncht. Letzteres ist eine Online-Videothek, die häufig als einer der größten Konkurrenten von Netflix angesehen wird.

Amazon Game Studios (2012)

Seit 2012 ist Amazon auch als Videospielentwickler und -publisher (also Veröffentlicher) tätig. Dazu gehören Spiele für mobile Endgeräte und in den sozialen Medien wie Facebook.

Twitch (2014)

Die Übernahme der Live-Streaming-Plattform Twitch für knapp 1 Mrd. USD wurde im Sommer 2014 bekannt.

Elektronische Geräte

Im Verlauf der Zeit hat Amazon immer wieder auch eigene elektronische Produkte entwickelt und dann zum Verkauf angeboten. Diese kann man in der Regel dann in Kombination mit einem Service von demselben Unternehmen nutzen, z. B. das bekannte Kindle mit den entsprechenden Büchern aus dem Kindle-Store. Einige der Produkte sind: Amazon Fire Tablet (2011), Amazon Kindle Paperwhite (2012), Amazon Fire TV (Stick) (2014) und Amazon Echo (2015).

Im Jahr 2015 wurde schließlich auch der erste Prime Day veranstaltet, welcher inzwischen zu einem riesigen jährlichen Shopping-Event geworden ist. Im Jahr 2021 wurden in 48 Stunden rund 11,20 Mrd. USD umgesetzt (geschätzt).

Übernahme von MGM Studios (2021)

Im Mai gab Amazon bekannt, dass das bekannte Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer für 8,45 Mrd. USD übernommen wird. MGM hält die Rechte an vielen bekannten Filmen u. a. James Bond.

Werte, Ziele und Nachhaltigkeit

Um Amazons Mission zu verstehen schauen wir uns zunächst an, wie sich Amazon selbst beschreibt. Dies ist zugleich eng mit den Werten verknüpft, die Amazon beim Erreichen der eigenen Ziele einhalten will.

Amazon strebt danach, das kundenorientierteste Unternehmen der Welt, der beste Arbeitgeber der Welt und der sicherste Arbeitsplatz der Welt zu sein.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, verfolgt der Konzern vier grundlegende Prinzipien:

  1. Kundenbesessenheit statt Konkurrenzfokus
  2. Leidenschaft für Erfindungen
  3. Engagement für operative Exzellenz
  4. langfristiges Denken

Diese Punkte sind auch bei den 14 Leadership-Prinzipien (Führungsprinzipien) wiederzufinden. Diese begleiten den Konzern und die Mitarbeiter*innen bei den alltäglichen Entscheidungen. Deutlich wird dabei vor allem die typische Denkweise, die dem Silicon Valley bzw. der dortigen Mentalität zugeschrieben wird: Das kompromisslose Streben nach mehr, die stetige Neugierde, keine Angst Fehler zu machen und vor allem groß zu denken.

Amazon selbst stammt zwar nicht aus dieser Region, aber lässt sich von der Denkweise durchaus mit Microsoft, Apple & Co. verbinden. Auch heute möchte man bei Amazon die Arbeit noch mit demselben ehrgeizigen Ansatz wie zu Gründungszeiten erledigen und vor allem das Vertrauen der Kundschaft wahren und fördern.

Neben den Kund*innen stehen aber auch die Arbeitnehmer*innen im Fokus bei Amazon. Das Unternehmen bietet u. a. Weiterbildungsmöglichkeiten und steht für Lohngerechtigkeit, Frauen und Minderheiten ein. Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion sind für den US-amerikanischen Konzern nicht nur gut für das Geschäft, sondern vor allem eine Selbstverständlichkeit.

Der Einsatz für die LGBTQ+-Bewegung ist daher ebenfalls nicht verwunderlich. Im “Corporate Equality Index” (Index über Gleichstellung in Unternehmen) von der Human Rights Campaign Foundation hat Amazon in den letzten Jahren ebenfalls herausragend abgeschnitten.

Das Engagement in der Gesellschaft kann man auch gut am Angebot von Amazon Smile erkennen. Soziale Organisationen registrieren sich dort und beim Einkauf können Kund*innen eine Organisation auswählen, an die 0,50 % des Einkaufspreises weitergeleitet werden sollen. Insgesamt haben gemeinnützige Vereinigungen auf der ganzen Welt so schon über 200 Mio. EUR erhalten (seit 2013).

In den USA liegt der Mindestlohn derzeit zudem bei 7,25 USD – Amazon zahlt laut eigener Aussage mindestens 15 USD pro Stunde und fordert generell eine Anhebung. Darüber hinaus sieht Amazon es als notwendig an, dass der Datenschutz von Verbraucher*innen durch Gesetze abgedeckt wird. Neben diesen Punkten spielt das Thema Nachhaltigkeit für Amazon eine große Rolle und wird an vielen Stellen immer wieder erwähnt. Der Konzern setzt sich dabei verschiedene Ziele und konzentriert sich auf einige Kernpunkte.

Wir integrieren Nachhaltigkeit in die alltäglichen Abläufe, indem wir uns an aufgestellten Zielen und Kennzahlen orientieren und diese vierteljährlich überprüfen.

An vielen Stellen taucht bei der Nachhaltigkeit natürlich der Klimawandel auf. Einige konkrete Ziele speziell dazu sind:
  •  CO2-Neutralität bis 2040
  • nur erneuerbare Energien verwenden bis 2030 (Amazon peilt aktuell sogar 2025 an; aktueller Stand: Abb. 10)
  • CO2-Neutralität für die Hälfte aller Lieferungen bis 2030
  • 100.000 Elektrolieferfahrzeuge bis 2030 

Die 100.000 Elektrolieferfahrzeuge wurden 2019 bei Rivian bestellt und seitdem wird die Flotte mit den neuen Lieferungen stetig erweitert (Abb. 8).

Um die CO2-Emissionen zu reduzieren, wurde zudem ein Investitionsprogramm in einer Höhe von 2 Mrd. USD gestartet. Mit dem Geld sollen Entwicklungen in diesem Sektor gefördert werden. Weitere 100 Mio. USD hat Amazon für die Wiederaufforstung bereitgestellt.

Geschäftsmodell, Geschäftsbereiche und Branche

Wir wollen das am stärksten Kundenorientierte Unternehmen der Welt sein. Dafür lassen wir uns von vier Kernprinzipien leiten: Fokus auf Kund*innen anstatt auf die Konkurrenz, Leidenschaft für Innovation, Hingabe zu operativer Exzellenz und langfristiges Denken.

Überblick

Amazon sollte den meisten Menschen in Deutschland bekannt sein. Zumindest erschließt sich das allein aus den 17,3 Mio. Amazon-Prime-Kund*innen, die es laut einer Studie des deutschen Handelsforschungsinstituts IFH aus dem Jahr 2019 hierzulande gibt.

Der Konzern ist wahrlich ein Gigant. Das Geschäftsmodell disruptiert mehrere Branchen und legt sich mit einigen der größten Unternehmen der Welt an. Bekannt ist Amazon der breiten Bevölkerung vor allem durch den gleichnamig betriebenen E-Commerce-Handel Amazon.com (in Deutschland: Amazon.de). Hier brandet sich Amazon gerne als “The Everything Store“, weil man vom ursprünglich reinen Verkauf von Büchern inzwischen in fast jede Produktsparte vorgedrungen ist. Amazon ist die Nummer zwei weltweit im Online B2C-Handel (Business to Customer), gemessen am Bruttowarenwert, direkt hinter dem chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba (siehe Abb. 12).

Mit Amazon Prime Video hat man es inzwischen außerdem geschafft im „Video-on-Demand“-Geschäft ebenfalls die Nummer 2 weltweit zu werden, direkt hinter Netflix (gemessen an der Nutzungsaktivität).

Noch wichtiger ist aber Amazons Cloud-Geschäft AWS, das weltweit ein Drittel der Marktanteile kontrolliert und und für Amazon die reinste Cashmaschine ist. In Abbildung 13 haben wir den weltweiten Cloud-Markt (mit einem geschätzten Jahresvolumen von 150 Mrd. USD) nach den größten Marktanteilseigentümern aufgeteilt. In diesem hartumkämpften, aber zukunftsreichen Markt setzt sich Amazon gegen andere Giganten wie Microsoft, Tencent, IBM und Salesforce durch. 

Das eigene Geschäft teilt Amazon in geografische Segmente und AWS (Amazon Web Services) auf. Diese sind:

  • North America (Umsatz generiert in den USA und Kanada)
  • International (Umsatz aus den restlichen Teilen der Welt)
  • Amazon Web Services (AWS)

Das ist für das Verständnis des Geschäftsmodells nicht ideal, weswegen wir in unserer Aufarbeitung des Geschäftsmodells auf die umsatzgenerierenden Geschäftssegmente eingehen und zusätzlich auf einzelnen wichtigen Technologien oder Services, die Amazon anbietet. Diese sind in den Segmenten enthalten, sollten aber aus unserer Sicht aufgrund ihrer Zukunftsweisung und/oder Wichtigkeit für das korrekte Verständnis von Amazons Geschäftsmodell nochmal zusätzlich besprochen werden. 

Dieser Hinweis ist für ein besseres Verständnis des fundamentalen Abschnitts, später in der Analyse.

Retail sales (Einzelhandel)

Das erste und wahrscheinlich das, für das Amazon am bekanntesten ist, ist der Einzelhandel. Das Unternehmen verkauft Konsumgüterartikel aus einer weiten Reihe jeglicher Kategorien an Kund*innen.

Der Verkauf wird entweder über den weltweit bekannten Onlineshop Amazon.com (abweichende Domainendung außerhalb den USA) betrieben oder seit 2016 auch über das physische Einzelhandelsmodell „AmazonGO“. Dabei handelt es sich um einen Supermarkt, welcher vollends ohne Kassierer*innen funktioniert. Über Scanner an der Decke erkennt der Shop, wenn sich ein*e Kund*in ins Geschäft begibt, welche Artikel im Anschluss mitgenommen wird – und beim Rausgehen werden diese automatisch über die Amazon App bezahlt. 

Im Geschäftsjahr 2020 wurde damit zwar nur etwa ein Zwölftel des Umsatzes im Vergleich zum Onlineangebot gemacht – es ist aber interessant, dass Amazon auch hier wieder in ein neues Geschäftsmodell investiert.

Der Leitsatz, den wir oben genannt haben, “der Alles-Shop” (übersetzt), mit dem Amazon sich schmückt, stimmt. Wenn wir allein die größten Produktkategorien unter die Lupe nehmen, die wir auf Amazon finden, dann bekommen wir einen Eindruck, inwiefern dieser Konzern sich “mit jedem anderen anlegt”:

  • Bücher
  • Filme, Serien, Musik & Games
  • Elektronik & Computer
  • Smart Home (grob gesagt: eine Auswahl an automatisierten Haushaltsgeräten, teils eigens lizensiert/hergestellt für Amazon)
  • Haushalt, Garten, Tier & Baumarkt
  • Beauty, Drogerie & Lebensmittel
  • Spielzeug & Baby
  • Bekleidung, Schuhe, Schmuck & Accessoires
  • Sport & Freizeit
  • Auto, Motorrad & Gewerbe 

Third-Party seller services (Drittanbieter Services)

Amazon FBA

“Amazon FBA” ist einigen vielleicht ein Begriff. FBA steht für Fullfilment by Amazon, also “Erfüllung durch Amazon”. Dabei handelt es sich um den Teil von Amazons Geschäftsmodell, der es anderen Händlern oder Herstellern ermöglicht eigene Produkte und/oder Dienstleistungen direkt bei Amazon zu verkaufen.

Die Waren werden i. d. R. an ein Amazon Warenlager geschickt, wo dann der komplette Versand und das Handling der Kundenbestellungen übernommen wird. Für diesen Service erhebt Amazon ebenfalls eine Gebühr. Durch die Bekanntheit des Amazon Stores und der hohen Anzahl an Kund*innen (allein durch Amazon Prime) sind viele Hersteller darauf angewiesen, ihre Produkte in Amazons Onlinestore zu verkaufen. Für Amazon bedeutet das eine höhere Produktauswahl und wegbleibende Konkurrenz (z. B. durch selbstgebaute Shopify Stores). Im Prinzip kann jeder bei Amazon FBA mitmachen (siehe Abb. 16).

Amazon Marketplace

Amazon bietet außerdem den Verkauf von gebrauchten Warten an. Pro verkauften Artikel erhält Amazon hier eine Provision von bis zu 45 % des Verkaufspreises.

Subscription Services (Abo-Services)

Unter dieses Segment fallen sämtliche Umsätze, die mit Amazon Prime generiert werden. Wie bereits oben erwähnt gibt es allein in Deutschland fast 20 Mio. Amazon Prime Kund*innen – weltweit waren es im Frühjahr 2021 laut Amazon über 200 Mio.

Das Prime Angebot kostet pro Monat in Deutschland und Österreich 7,99 € bei monatlicher – und 5,75 € bei jährlicher Zahlung. Zweck von Prime ist es in erster Linie, Amazon zur ersten Wahl bei jede*r Kund*in zu machen, wenn irgendetwas bestimmtes benötigt wird. 

Dafür wird, was den Einzelhandel angeht, folgendes angeboten:

Gratis Premium Versand

Gratis „Same Day“ Versand, je nach Region und Mindestbestellwert

Gratis Standard Versand

Video-on-Demand/Prime Video

Mit Prime Video bietet Amazon eine fast 1:1 Konkurrenz zum Streaming-Pionier Netflix an. Der Vorteil: Amazon ist nicht abhängig von einem Geschäftsmodell und kann auf eine riesige Kundenbasis zurückgreifen. Es gibt Amazon Exclusives, also Filme oder Serien, die es nur auf Prime Video gibt, und/oder die von Amazons Filmstudio „Amazon Studios“ produziert wurden. Außerdem können Nutzer*innen einzelne Kanäle für bestimmte Genres hinzubuchen oder einzelne Titel direkt über Amazon kaufen, wenn sie nicht in Prime inkludiert sind.

Musik Streaming/Amazon Music

Über Amazon Music hat Amazon ein knallahrtes Konkurrenzprodukt zu Apple Music und Spotify geschaffen. Prime Mitglieder können ganz einfach Musik über ihr Abo streamen. Außerdem ist die Soundqualität besser als bei vielen Konkurrenten in diesem Bereich.

2019 kündigte Amazon Music die Einführung von Amazon Music HD an, einer neuen Stufe verlustfreier Musik mit mehr als 50 Mio. Songs in High Definition und Mio. von Songs in Ultra High Definition, dem Streaming-Audio mit der höchsten verfügbaren Qualität. Konkurrenten können allein bei den Kosten dieses Unterfangens nur schwer mithalten.

Die folgende Abbildung haben wie aus unserer Spotify Aktienanalyse entnommen. Sie zeigt die Marktanteile im Musikstreaming weltweit. Auch hier hat sich Amazon eine große Scheibe rausgeschnitten. Amazons Audible dringt außerdem in den Podcast Bereich mit ein.

E-Books/Prime Reading

Über Prime Reading können Kund*innen auf eine Auswahl an E-Books, E-Magazinen und Comics zugreifen. Zusätzlich dazu hat Amazon natürlich auch noch eine eigenes Gerät zum Lesen von E-Books entwickelt: Das Kindle.  

Videospiele, E-Sports/Prime Gaming

In unserer Analyse zur chinesischen (E-Sports) Streaming Plattform Huya haben wir Twitch als Vergleich herbeigezogen. Twitch ist das weltweit bekannteste Portal zum Streamen von Videospielen und E-Sports. Vor allem während der Corona-Pandemie hat Streaming massiv an Popularität gewinnen können. Prime Mitglieder können auf Twitch diverse Vorteile genießen. Außerdem bietet Prime Gaming eine Plattform zum Kauf von Videospielen an. Auch hier gibt es immer wieder gratis Angebote und andere Vorteile, die Prime Mitglieder für einen vergleichsweise sehr günstigen Abonnementpreis geboten werden.

Amazon Web Services (AWS)

Das letzte, aber mitunter wichtigste Segment von Amazon, sind die Amazon Web Services. Das Unternehmen hat 2005 als einer der ersten die Wichtigkeit von IT-Infrastruktur erkannt und ist heute Weltmarktführer in einem der größten Wachstumsmärkte der nächsten 10 Jahre: Cloud-Technologie.

Amazon Web Services bietet Kunden das klassische skalieren von Cloud-Datenspeicherung und Computing an. Außerdem können Unternehmen zurückgreifen auf Machine Learning Technologie (das Erkennen von Mustern in großen Datenmengen), um ihre eigenen Geschäftsprozesse zu verbessern. 

Die Idee kam Amazon damals, als man Serverkapazitäten ausbauen wollte, vor allem zu Ferienzeiten, als vergleichsweise viel auf Amazon bestellt wurde. Man entschied sich für eine Netzwerkstrategie, die die Serverlasten ausbalancieren sollte. Später wurden Kapazitäten dann vermietet und das Cloud-Geschäft entwickelte sich daraus. 

In den westlichen Ländern haben Tencent und Alibaba im Moment aufgrund der politischen Situation mit China eher wenig Chancen. Es bleiben also nur noch Alphabet (Google) und Microsoft als große Konkurrenten auf dem Parkett. 

Others (Andere)

Das letzte umsatzgenerierende Segment von Amazon bezieht sich vor allem auf den Verdienst durch Werbung. Auf Amazon Plattformen selbst können Verkäufer bspw. ihre Artikel besser ranken lassen, indem sie bezahlen. Die Produkte, welche durch Werbung nach oben in die Suchergebnisse gelangt sind, werden dann mit “gesponsert” versehen. Ähnlich wie Google oder Facebook verdient Amazon hier auch Geld mit Clicks (CPC/ Costs-per-click).

Hardware

Amazon bietet zudem noch eine Reihe an Hardware. Die bekannteste dürfte wohl der Smart Speaker Amazon Echo mit der KI-Technologie für Smart Speaker mit dem Namen Alexa sein. Darin verwickelt ist auch Amazon Fire TV, ein Streaming Media Adapter, der es ermöglicht Filme und Serien von Netflix, Prime Video, YouTube, Disney+, Apple TV und weiteren auf dem eigenen Fernseher zu sehen. 

Geschäftsführung von Amazon

Lange Zeit war Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, auch als CEO tätig. Am 5. Juli 2021, also genau 27 Jahre nach der Gründung, gab er dieses Amt an Andy Jassy weiter.

Jeffrey P. Bezos

Bekannt ist er als das “Gesicht von Amazon” und einer der reichsten Menschen der Welt: Jeffrey Preston Bezos.

Jeff Bezos wurde 1964 geboren und studierte an der renommierten Princeton University Elektrotechnik und Informatik. Seinen Bachelor machte er mit einem sehr guten Abschluss (summa cum laude) im Jahr 1986 und arbeitete anschließend für FITEL, ein Telekommunikationskonzern aus Taiwan. Danach war er bis 1994 bei Vermögensverwaltern (Bankers Trust und dann D. E. Shaw) beschäftigt, bevor er sich mit Amazon selbstständig machte.

In den Schlagzeilen liest man in den letzten Jahren auch immer häufiger von seinem Engagement im Bereich der Raumfahrt. Das Unternehmen Blue Origin gründete er im Jahr 2000.

Bei Amazon ist Bezos nun noch der größte Aktionär mit einem Anteil von rund 10,20 %. Er liquidiert aber jährlich weitere Anteile, um z. B. Blue Origin finanziell zu stützen. Darüber hinaus ist der Gründer als Executive Chairman tätig. Seine Ex-Frau Mackenzie T Bezos hält ebenfalls noch Aktien des Unternehmens (3,45 %).

Andrew R. Jassy

Der heutige CEO und Präsident von Amazon wurde 1968 geboren und ist seit der Gründung der AWS-Sparte maßgeblich in diesem Segment tätig gewesen.

Jassy besuchte die Harvard University und schloss sein Studium mit einer Auszeichnung ab. Anschließend erwarb er an der bekannten Harvard Business School seinen Master of Business Administration. Für Amazon ist der heutige CEO seit 1997 tätig; zunächst als Marketingmanager, dann 2003 als Gründer von AWS und 2016 dann als CEO von AWS. 2021 übernahm er wie bereits erwähnt den Posten von Bezos als CEO des gesamten Unternehmens.

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