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Aon Aktie Analyse

Die beste Aktie der Versicherungsbranche?

Aktualisiert am 09.12.2025. Analyse vom 09.12.2025

von Adrian Rogl und Jan Fuhrmann

Kurzvorstellung

Die Aon plc gehört zu den an der Börse erfolgreichsten Unternehmen der Versicherungsbranche. Dem Unternehmen ist es durch operativ strategisches Denken gelungen, mit Aon ein Synonym für Innovation und intelligentes Management zu erschaffen. Davon konnten auch Aktionäre massiv profitieren - die Aktie von Aon befindet sich seit 1982, also seit über 40 Jahren in einem ununterbrochenen Aufwärtstrend. In diesem Zeitraum konnte die Aktie um mehr als 11.000% steigen - und da sind Dividenden noch gar nicht mit einberechnet. Sogar die Finanzkrise 2008 und 2009, die für die gesamte Finanz- und Versicherungsbranche ein harter Schlag war, brachte den langfristigen Aufwärtstrend nicht zu Fall, was im Vergleich zu anderen Unternehmen somit als krisenresistent zu bewerten ist. In dieser Analyse wollen wir herausfinden, ob das auch in Zukunft noch so sein wird und ob sich ein Einstieg bei der Aktie zum aktuellen Kurs lohnt. Welche Performance inklusive der Dividenden bzw. welches Kursziel ist für die Aktie also realistisch?

1. Das Unternehmen

Geschäftsmodell

Einleitung

Die meisten Privatpersonen kommen mit dem Versicherungsgeschäft vermutlich im Zuge ihrer Verträge mit Erstversicherern wie bspw. der Allianz in Berührung. Wie alle anderen Industrien auch, lässt sich das Versicherungsgeschäft allerdings im Rahmen einer Wertschöpfungskette in verschiedene Teilbereiche untergliedern. Hier kommt Aon als Unternehmen der vorliegenden Aktienanalyse ins Spiel. Der in Irland beheimatete Konzern deckt mit einem umfassenden Dienstleistungsportfolio verschiedene Segmente des Versicherungsgeschäfts ab, welche wir im Folgenden detailliert betrachten wollen.

Doch bevor wir dazu kommen, wollen wir an dieser Stelle auf die Einführung der Aon United Strategie im Jahr 2017 eingehen, welche einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der fundamentalen Kennzahlen in der jüngeren Vergangenheit genommen hat. Zum einen sieht Aon United eine Fokussierung auf wachstumsstarke Dienstleistungen mit höherem Gewinnpotenzial (bspw. Vermittlung von Schaden- und Unfallversicherungen) vor. Zum anderen soll eine Datenanalysesoftware sowie weitere Technologien eingesetzt werden, um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen (bspw. durch einen besseren Vergleich bzw. bessere Empfehlungen von passenden Versicherungen oder Anlagen) und die betrieblichen Abläufe schlanker bzw. effizienter zu gestalten. Die bisherigen Auswirkungen dieser Strategie beschreiben wir in den entsprechenden Abschnitten dieser Analyse ausführlich; bei den fundamentalen Kennzahlen und Daten, speziell beim Wachstum, zeigen sich in jedem Fall deutlich positive Resultate.

Risk Capital

Aon plc gliedert das operative Geschäft in zwei übergeordnete Sparten: Risk Capital und Human Capital. Beide lassen sich wiederum in zwei Segmente gliedern. Der Bereich Risk Capital besteht folglich aus den Segmenten Commercial Risk Solutions und Reinsurance Solutions (Rückversicherungen). Wie der Name des ersteren Segments bereits vermuten lässt, bietet Aon den Klienten verschiedene Angebote im Bereich des Risikomanagements an, wozu in erster Linie Beratungen und daran anknüpfende Empfehlungen und entsprechende Dienstleistungen gehören. Aon besitzt Kompetenzen in verschiedenen Bereichen wie Cyberrisiken, Transaktionshaftungen oder bestimmten Gefahren im Zusammenhang mit wetterbedingten Schäden. Die Angestellten von Aon entwickeln im Zuge ihrer Risikoanalyse maßgeschneiderte Lösungen für die Kunden, welche bspw. auf den Abschluss bzw. die Vermittlung und Empfehlung einer geeigneten Versicherung hinauslaufen.

Innerhalb der Sparte Risk Capital ist Aon zudem als Rückversicherer tätig. Das entsprechende Segment trägt dementsprechend den Namen Reinsurance Solutions und umfasst ein vielfältiges Angebot an Rückversicherungsverträgen, welche Aon mit einer Vielzahl an Erstversicherern abschließt, welche das eigene Risiko minimieren sollen. Der Fokus von Aon liegt in diesem Zusammenhang auf Rückversicherungen im Finanzbereich.

Human Capital

Wie zuvor bereits erwähnt, besitzt Aon plc neben Risk Capital einen zweiten übergeordneten Geschäftsbereich namens Human Capital. Dieser lässt sich in folgende Segmente gliedern: Health Solutions und Wealth Solutions. Im Rahmen des ersteren Segments ist Aon als Versicherungsmakler für Privatpersonen tätig. Als solcher greift Aon plc auf eine eigens entwickelte Analysesoftware zurück, um für die individuellen Ansprüche der Klienten unter mehreren Tausend Versicherungspolicen von mehreren Erstversicherern den bestmöglichen Vertrag zu finden. Auf Basis dieses Vergleichs von Aon werden dann passende Versicherungen empfohlen.

Innerhalb der Wealth Solutions erbringt Aon für Privatpersonen verschiedene Beratungsdienstleistungen, welche auf eine effektive Gestaltung der Altersvorsorge abzielen. In erster Linie werden für Kunden auf der ganzen Welt, ähnlich zu den Angeboten im Bereich der Health Solutions, mehrere Versicherungen für finanzielle Sicherheit im Ruhestand analysiert und empfohlen. Des Weiteren besitzt Aon plc eine Expertise als Anlageberater und unterstützt Klienten somit auch hinsichtlich ihrer finanziellen Anlagen, bspw. in Wertpapiere. Themen wie Pensionsverpflichtungen, passende Anlagen für die eigene Risikoklasse etc. stehen also an der Tagesordnung.

Historie

Gründung

Die Gründung von Aon plc ist bis auf das Jahr 1918 zurückführen, als W. Clement Stone in dem von seiner Mutter erworbenen kleinen Versicherungsunternehmen in Detroit anfing zu arbeiten. Stone spezialisierte sich auf kostengünstige Unfallversicherungen, die er direkt vor Ort abwickelte. Ein Jahr später gründete er seine eigene Agentur, das Combined Registry.

Aufgrund einer besseren Versorgung der Atemwegserkrankung seines Sohnes, zog Stone mit seinem Unternehmen nach Arkansas, Texas, um. Im Jahr 1939 akquirierte er die American Casualty Insurance, um in Dallas, Texas, ein weiteres Standbein aufzubauen. Das Unternehmen wurde später durch den Kauf der Combined Insurance of America erweitert. Im nächsten Schritt spezialisierte sich das Unternehmen verstärkt auf Kranken- und Unfallversicherungen. Generell konnte die Firma in dieser Zeit ein starkes Wachstum vorweisen.

In den 1980er-Jahren übergab Stone die Geschäftsführung an seinen Sohn, dieser konnte das Wachstum des Unternehmens jedoch leider nicht aufrechterhalten (speziell im Vergleich zu dem Wachstum, das seinem Vater gelang), weshalb Stone im Alter von 79 Jahren die Kontrolle erneut übernahm. Kurz darauf wurde sich für ein Zusammenschluss mit Ryan Insurance entschieden und Patrick Ryan übernahm die Position des CEOs. Ryan startete den Konzern als Versicherer für Autokredite und ergänzte diesen später durch eine Versicherung von Vermögenswerten. Im Jahr 1987 wurde der Zusammenschluss der Unternehmen schließlich in Aon umbenannt.

Internationale Expansion

In den 1990er-Jahren fing das Unternehmen an, die internationale Präsenz zu stärken. Aon akquirierte den niederländischen Versicherungsmakler Hudig-Langeveldt und ging damit den ersten Schritt, sich auf die Beratung zu konzentrieren. Dieser wurde durch den Verkauf aller verbleibenden Lebensversicherungsbestände an General Electric bestätigt.

Mit der anschließenden Übernahme der Minet Group und Alexander & Alexander, war Aon vorübergehend der weltweit größte Versicherungsmakler. In den nächsten Jahren übernahm der Konzern den größten spanischen Versicherungsmakler im Einzelhandel Gil y Carvajal und gründete Aon Korea. Es folgte die Akquisition eines italienischen Versicherungsmaklers und die Gründung des Risikomanagement- und Finanzberaters RiskAttack zusammen mit dem Unternehmen Zurich.

Im Jahr 2010 folgte die bisher größte Akquisition von Aon. Das Unternehmen Hewitt Associates wurde für 4,90 Mrd. USD übernommen, was die Beratungskapazitäten im Human Resources Bereich stärkte. Mit der Übernahme wurden 23.000 neue Mitarbeiter und mehr als 3,00 Mrd. USD Umsatz in das Geschäft eingegliedert. Sieben Jahre später folgte der Verkauf von genau dieser Sparte an das Private-Equity-Unternehmen Blackstone für 4,80 Mrd. USD.

Im Jahr 2012 verlegte Aon den Hauptsitz nach London, UK, hielt jedoch an den US-amerikanischen Aktivitäten und Mitarbeitern fest.

Terror und Rückschläge

Zum Zeitpunkt des Terroranschlags am 11. September 2001 beschäftigte Aon 1.100 Mitarbeiter in drei Stockwerken des Südturms. Auf den ersten Einschlag im Nordturm folgte eine sofortige Räumung der Büros. Das zweite Flugzeug traf den Südturm zwischen den Stockwerken 77 und 85 und damit deutlich unterhalb der angemieteten Stockwerke von Aon. Aufgrund der schnellen Reaktion konnte jedoch die große Mehrheit der Mitarbeiter rechtzeitig das Gebäude verlassen bzw. gelangte unter den Einschlagsbereich.

Im Jahr 2009 folgte ein großer Rückschlag für das Unternehmen. Die britische Behörde für Finanzgeschäfte verhängte eine Geldstrafe von 5,69 Mio. GBP aufgrund einer unzureichenden Kontrolle des Unternehmens gegen Bestechung und Korruption. Dabei bestand weiter der Verdacht, dass illegale Organisationen im Ausland unterstützt wurden, beweise konnte jedoch nicht gefunden werden. Wegen der guten Zusammenarbeit bei der Ermittlung gewährte die Behörde Aon ein Rabatt von 30,00 % auf die Strafzahlung.

Im Jahr 2011 folgte erneut eine Geldstrafe aufgrund von Korruptionsfällen. Hierbei fielen Zahlungen i. H. v. 3,60 Mio. USD an Regierungsbeamte in Costa Rica, Ägypten, Vietnam, Indonesien, VAE, Myanmar und Bangladesch auf. Die Strafe wurde von der Börsenaufsichtsbehörde SEC auf 16,26 Mio. USD festgelegt.

Aktionärsstruktur

Die Aktionärsstruktur von Aon wird durch die Investmentgesellschaften Vanguard und BlackRock angeführt. Dabei hält Vanguard mit 8,86 % den größten Anteil. BlackRock folgt mit 6,76 %. Ein weiterer Investor, welcher über der 5,00 %-Marke liegt, ist Massachusetts Financial Services mit 6,72 %.

Geschäftsführung

Gregory C. Case

Case ist seit April 2005 CEO und Mitglied des Board of Directors bei Aon plc. Von 2005 bis 2018 war er zudem President des Unternehmens. Bevor er zu Aon kam, war Case 17 Jahre lang bei der globalen Unternehmensberatung McKinsey tätig, wo er im Shareholders’ Council mitwirkte und die Global Insurance and Financial Services Practice leitete. Vor seiner Zeit bei McKinsey arbeitete er bei der Investmentbank Piper, Jaffray and Hopwood und der Federal Reserve Bank of Kansas City.

Case wurde 2014 und von 2016 bis 2019 als einer der Top-100-CEOs von Havard Business ausgezeichnet.

CEO-Vergütung

Für das Geschäftsjahr 2023 erhielt Case ein Grundgehalt von 1,50 Mio. USD. Dieses wurde mit Stock Awards im Gegenwert von 21,49 Mio. USD erweitert. Über andere Vergütungen kamen noch weitere 0,67 Mio. USD hinzu. Insgesamt belief sich damit seine Vergütung auf 23,66 Mio. USD.

In den Vorjahren lag das Grundgehalt ebenfalls bei 1,50 Mio. USD, lediglich die Stock Awards unterschieden sich maßgeblich. Diese lagen 2022 bei einem Gegenwert von 17,50 und 2021 bei 15,26 Mio. USD.

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