Kurzvorstellung
Mit 3M bringen wir euch in dieser Analyse ein Urgestein der US-amerikanischen Wirtschaft mit. Der Ursprung des Unternehmens aus Saint Paul, Minnesota reicht über 100 Jahre zurück. Die Minnesota Mining and Manufacturing Company (das bedeutet der Name voll ausgeschrieben) bezeichnet sich selbst als Technologiekonzern und besitzt über 25.000 Patente und produziert fast 60.000 verschiedene Produkte für vier verschiedene Geschäftssparten. Die im Januar 2018 begonnene Korrektur ist mit fast 60,00 % Verlust vom Allzeithoch die größte Korrektur, die jemals stattfand – irgendwas läuft also gerade nicht so rund bei 3M. Was genau das ist, ob die aktuellen Kurse eine Chance sind, und die Dividendenrendite von mehr als 5,00 % nachhaltig ist, wollen wir in dieser Analyse genau beleuchten.
1. Das Unternehmen 3M
Geschäftsmodell
Einleitung
Die Minnesota Mining and Manufacturing Company (3M) ist ein global agierendes und diversifiziertes Technologieunternehmen. Das Geschäft wird in vier Bereiche unterteilt: Sicherheit und Industrie, Transport und Elektronik, Gesundheitswesen sowie Verbraucher. Alle Segmente arbeiten zusammen und sorgen für Synergie in der Forschung und Entwicklung bei effizienter Nutzung von Ressourcen.
Dabei ist das Unternehmen führend in vielen der Märkte, die es bedient. Die meisten der Produkte erfordern Fachwissen in der Produktentwicklung, Herstellung und Vermarktung. So wird direkt ein Burggraben gegenüber Konkurrenten hergestellt. Hinzu kommt, dass 3M zahlreiche Marken vertreibt, die jeweils umfangreiche Mengen an Patenten in verschiedenen Ländern besitzen. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen bringen einen ständigen Strom an Erfindungen, die ebenfalls wieder von Patenten geschützt werden. So soll zukünftiges Wachstum gesichert werden. Wichtig dabei ist, dass aufgrund der großen Menge an Produkten (fast 60.000) und Patenten (mehr als 25.000) kein Produkt im Einzelnen essenziell für das Überleben von 3M ist. Das Geschäftsmodell ist im Ganzen also maximal diversifiziert. Das bringt natürlich auch Nachteile in Bezug auf mögliches Wachstum.
Der Verkauf von 3M’s Produkten findet über verschiedene Vertriebswege statt. Sowohl über den Direktverkauf an Kunden als auch über zahlreiche E-Commerce-Shops, den klassischen Einzelhandel oder Vertriebler. Das Produktportfolio von 3M ist sehr groß und bedient fast alle Geschäftssparten, weswegen es sogar schon schwierig ist, das Unternehmen einem bestimmten Zweig zuzuordnen. Am meisten ist 3M aber von der herstellenden Industrie (z. B. Elektronik-Autoindustrie) abhängig. Damit ihr die Fülle von Produkten versteht, hier mal einige Marken von 3M, die Produkte direkt an den Endkunden verkaufen:
Sicherheit und Industrie (Safety & Industrial)
Unter diesem Segment vertreibt 3M diverse Produkte, die auf die globalen Industrie, Elektro- und Sicherheitsmärkte ausgerichtet sind. Für nahezu jeden Industriezweig gibt es Anwendungsmöglichkeiten. Die mitunter wichtigsten Produktkategorien sind:
- Industrielle Schleifmittel und Finishings für die Metallverarbeitung
- Lösungen für die Reparatur von Autokarosserien
- Verschlusssysteme für Körperpflegeprodukte, Abdeck- und Verpackungsmaterialien
- Elektrische Produkte und Materialien für Bau und Instandhaltung, Energieverteilung und Erstausrüster von Elektrogeräten (OEM)
- Konstruktionsklebstoffe und Klebebänder
- Lösungen für Atemschutz, Gehörschutz, Augenschutz und Absturzsicherung
- Natürliche und farbbeschichtete Mineralgranulate für Schindeln (Dachverkleidung)
Transport und Elektronik (Transportation & Electronics)
Der Geschäftsbereich Transport und Elektronik konzentriert sich auf Kunden aus dem weltweiten Transportwesen und der Erstausrüstung elektronischer Geräte (OEM). Hier werden Produkte aus der Elektronik (Anzeigematerialien und -systeme, Lösungen für elektronische Materialien) z. B. für die Automobil- und Luftfahrtindustrie verkauft. Die wichtigsten Kategorien sind:
- Fortschrittliche Keramiklösungen
- Klebebänder, Folien, Schall- und Temperaturmanagement für Transportfahrzeuge
- Hochwertige Grafikfolien für Werbung und Flottenbeschilderung
- Lichtmanagementfolien und Lösungen für die Elektronikmontage
- Verpackungs- und Verbindungslösungen
- Reflektierende Beschichtung für die Straßen- und Fahrzeugsicherheit
Gesundheitswesen (Health Care)
Die Health Care Business Group von 3M beliefert Unternehmen in der Gesundheitsbranche. Die Produktpalette umfasst medizinische Lösungen, Mundpflege, Filtrationslösungen, Gesundheitsinformationssysteme, Arzneimittelabgabesysteme und Produkte der Lebensmittelsicherheit. Die wichtigsten Kategorie nach Umsatz sind:
- Indikatorlösungen (Testkits) für die Lebensmittelsicherheit
- Produkte für Hautpflege und Wundversorgung oder Infektionsprävention
- Lösungen für Zahnmedizin und Kieferorthopädie
- Filtrations- und Aufbereitungssysteme
Verbraucher (Consumer)
Dieser Sparte werden Lösungen für die weltweiten Endverbraucher zugeordnet. Diese haben wir bereits am Anfang besprochen, weswegen wir jetzt nicht nochmal darauf eingehen wollen. Hierzu gehören bekannte Marken wie Post-it, Scotch-Brite usw.
Historie
Gründung
Das heutige 3M wurde 1902 von Dr. J. Danley Budd, Henry. S. Bryan, William A. McGonagle, John Dwan and Hermon W gegründet. Damals ein Bergbauunternehmen in Two Harbors, Minnesota.
Initial war der Plan Korund (ein Aluminiumoxid) abzubauen und daraus Schleifpapier herzustellen. Das Material konnte jedoch nicht an dem Abbauort bestätigt werden, anstelle fanden sie Anorthosit. Statt aufzugeben, verwendeten sie das vorhandene Material und passten ihre Produkte entsprechend an.
Die Firma wechselte ihren Standort zu Duluth, Minnesota, um dort eine Produktionsstätte für Schleifpapier aufzubauen. Leider brach der zweite Stock der Halle unter der Last der ersten Fuhre an Rohmaterialien zusammen.
Dieses auf und ab der Gefühle, zieht sich durch die gesamte Historie. Das Durchhaltevermögen und die Innovationsbereitschaft sind heute mit unter die wichtigsten Werte von 3M.
1916 eröffneten das erste Labor. Es wurde genutzt, um die Produktionsqualität zu testen.
Es folgten Innovationen wie ein wasserfestes Schleifpapier, was die Qualität nach dem Schleifen verbesserte und den entstehenden Staub reduzierte. Weiterhin erfanden sie das Zellophan-Band, ein durchsichtiges Klebeband, um die Arbeit von Malern zu vereinfachen.
Weltkriege
Die Produkte von 3M wurden während der Weltkriege sehr stark nachgefragt. Ein Großteil der gesamten Welt stellte sich auf die Produktion von Waffen, Munition und Fahrzeugen um. Wie man sich wahrscheinlich gut vorstellen kann, wird in mindestens einem der Produktionsschritte einer metallischen Komponente, Schleifpapier verwendet. So profitierte 3M stark von der hohen Nachfrage während der Kriege und entschloss sich nach dem Zweiten Weltkrieg an die Börse zu gehen.
Börsengang
1946 wurde 3M an der New York Stock Exchange (NYSE) unter dem Ticker MMM gelistet. Anschließend zielten sie eine Globalisierung ihres Unternehmens an und gründeten Tochterunternehmen in Australien, Brasilien, Kanada, Frankreich, Mexiko, Großbritannien und Deutschland.
Es folgten weitere spannende Innovationen wie das Filmband und später das magnetische Filmband, das von Filmproduzenten in Hollywood genutzt wurde.
1960 folgte ein hypoallergenes Band, was die Basis von 3M’s Gesundheitssektor bildete.
Auch bei der ersten Mondlandung behauptet 3M stolz, dabei gewesen zu sein. Die Stiefel der Astronauten wurden teilweise aus einem Elastomer der Firma gefertigt.
Bereits 1975 befasste sich 3M mit den Auswirkungen des Schadstoffausstoßes und versuchte diesen zu verringern. So entschieden sie sich bei einem Rückgang der Emissionen, ihre Angestellten zusätzlich zu entlohnen. 3M geht davon aus, dass hierdurch bereits Milliarden an Kosten eingespart werden konnten.
Erst 2002 wurde die Firma offiziell von Minnesota Mining and Manufacturing Company zu 3M Company umbenannt.
Seit der Jahrhundertwende folgten weitere Entwicklungen. Darunter waren auch technische Produkte wie u. a. ein elektronisches Stethoskop und eine Projektionstechnik für Beamer.
2014 konnte 3M die Einreichung ihres 100.000 Patents feiern. Heute reichen die 69.000 Mitarbeiter weltweit bis zu 3.000 Patente jährlich ein.
Vision und Nachhaltigkeit bei 3M
Einleitung
Nachhaltigkeit ist bei 3M ein in der Unternehmenskultur fest verankerter Wert mit langer Tradition: In der Verantwortung für heutige und zukünftige Lebensbedingungen entwickeln und fertigen sie innovative Produkte. Das Unternehmen möchte verantwortungsvoll mit Umwelt und Ressourcen umgehen, engagiert sich für die Mitarbeiter und deren Gesundheit sowie über die Unternehmensgrenzen hinaus auch für die Gesellschaft. Neben dem Schutz und Erhalt der Umwelt beinhaltet das Thema Nachhaltigkeit bei 3M auch ökonomische und soziale Aspekte. Im Mittelpunkt stehen hohe ethische Standards, eine zukunftsorientierte Produktpolitik, eine ganzheitliche Personalpolitik sowie kulturelles und gesellschaftliches Engagement.
Vision
3M‘s Ziel ist es, eine positivere Welt zu schaffen und die Wissenschaft zu nutzen, um Menschen zu inspirieren und zusammenzubringen. Das Unternehmen setzt hierbei auf eine Unternehmenskultur, die ein kreatives Miteinander fördert. Es werden Mentorenprogramme und flexible Arbeitsmodelle angeboten. Sie setzen auf Vielfalt und Inklusion.
William McKnight, ehemaliger Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender, prägt bis heute den Umgang mit Mitarbeitern bei 3M. Durch ihn wurde ein 15,00 %-Regel eingeführt, die es jedem Mitarbeiter ermöglicht, einen Teil der Arbeitszeit nur für Innovationen einzusetzen.
Er sagte einmal: „Wichtig ist, gute Mitarbeiter einzustellen und sie dann eigenständig arbeiten zu lassen. Verantwortung muss delegiert werden. Die Mitarbeiter sollten dazu ermutigt werden, auf eigene Initiative zu handeln. Ein Management, das vernichtende Kritik übt, wenn Fehler gemacht werden, erstickt Initiativen im Keim. Für das Wachstum eines Unternehmens ist es jedoch wichtig, dass viele Mitarbeiter Initiativen auf den Weg bringen.“
William McKnight von der Firma 3M
Nachhaltigkeit und Umweltschutz
1975 startete 3M das Umweltprogramm Pollution Prevention Pays (3P), was so viel heißt wie „Umweltschutz zahlt sich aus“.
Das 3P-Programm soll dort ansetzen, wo die größten Belastungen entstehen – bei der Herstellung und in der Lieferkette. Deshalb möchte der Konzern ständig seine Fertigungsprozesse optimieren, um Umweltbelastungen bereits an der Quelle zu minimieren. Ein weiteres wichtiges Instrument bildet hierbei der „Life Cycle Management“-Prozess, mit dem die Auswirkungen eines Produktes auf die Umwelt während des gesamten Lebenszyklus analysiert und optimiert werden kann.
Im Jahr 2019 trat der 3M-Konzern der weltweiten Initiative RE100 bei. Seit 2021 konnten sie bereits 75,00 % des Stromverbrauchs der deutschen 3M-Standorte aus erneuerbaren Quellen, bevorzugt regional, beziehen.
3M kann deren Bemühungen auch durch unabhängige Zertifizierungen nachweisen. So ist das Umweltmanagementsystem durch die ISO-Standards 14001, 5000 und 45001 geprüft und zertifiziert.
Aktionärsstruktur
In der Liste der Top-10-Investoren befinden sich viele bekannte Fondsmanager wie die Vanguard Group, SSgA Funds Management, BlackRock Funds Advisors und die Wells Fargo Bank. Jedoch nur die Vanguard Group (8,48 %) und SSgA Funds Management (6,04 %) halten mehr als 5,00 % der Anteile von 3M (Stand 18.02.2023).
Geschäftsführung
Michael F. Roman
Mike Roman begann seine Karriere bei 3M bereits 1988 als leitender Konstrukteur. Daraufhin arbeitete er sich zum Chefstrategen hoch und wurde später COO (chief operating officer). Im Jahr 2018 wurde er zum CEO ernannt, woraufhin 2019 der Platz als Aufsichtsratvorsitzender folgte. Weiterhin ist er im Vorstand von Abbott Laboratories und Mitglied der University of Minnesota Stiftung.
Roman machte seinen Masterabschluss in Elektrotechnik an der University of Southern California und den Bachelorabschluss an der University of Minnesota im gleichen Fachgebiet.
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